«Hier lernen die Jungen alles»

Damian Imhasly betreibt in Lax im Oberwallis eine Schreinerei. Im Beruf sind ihm Sorgfalt und Qualität wichtig, bei der Energie die Rücksicht auf die Umwelt. Bereits sein Vater baute in den 1980er-Jahren einen der ersten Holzschnitzel-Fernwärmeverbünde der Schweiz auf. Jetzt setzt der Sohn zusätzlich auf Photovoltaik.

«Fenster mache ich nicht. Da gibt es genügend andere, die das günstiger und genauso gut anbieten können. Ich bin mit meinen sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eher für die etwas schwierigeren Aufgaben bekannt. Eine moderne Küche in einen alten Speicher einbauen, ohne dass sie wie ein Fremdkörper wirkt, eine Mehrfamilienhaus-Wohnung so mit altem Holz auskleiden, dass man das Gefühl hat, in einer Alphütte zu sein – solche Herausforderungen machen mir Spass. Ich habe eine gute Vorstellungsgabe. Ich sehe, was ein Raum hergibt, kann aber auch ganz gut nachvollziehen, was eine Kundin vor Augen hat. Standardaufträge gibt es bei uns deshalb kaum.

Am glücklichsten bin ich, wenn ich gemeinsam mit der Kundschaft ein Projekt von der ersten Idee bis zum letzten Schliff begleiten und immer besser werden lassen kann. Die Planung ist eines – man muss die Ideen aber auch umsetzen können. Wir sind so eingerichtet, dass wir wirklich alles selbst machen können. Das bedingt einen für unsere Firmengrösse umfangreichen Maschinenpark. Aber es macht die Arbeit spannend. Auch für unsere drei Lehrlinge. Was man als Schreiner lernen kann, lernen sie hier. Das ist mir wichtig. Denn es ist die Vielfalt, die unseren Beruf ausmacht. Und nur, wenn die Arbeit Spass macht, macht man sie gut.

Das Projekt in Kürze

  • Schreinerei
  • Photovoltaikanlage
  • Lax/VS

Ökologisches Gewissen geerbt

Ich bin 2001 nach einigen Wanderjahren in der «Üsserschwiiz» in die Schreinerei eingestiegen, 2005 habe ich die Geschäftsleitung von meinem Vater übernommen, der überraschend früh verstorben ist. Der ökologische Aspekt war mir immer wichtig. Das habe ich wohl geerbt. 1980, als die neue Werkstatt mit dem darüberliegenden Wohnhaus errichtet wurde, wollte mein Vater keine Ölheizung einbauen. Wir sind hier umgeben von Wald, ausserdem fallen bei der Arbeit Holzabfälle und Sägemehl an – da ergibt es doch keinen Sinn, importiertes Öl zu verbrennen. So entstand ein kleiner Fernwärmeverbund, der durch eine Schnitzelheizung in unserem Keller gespeist wird. Es war einer der ersten im ganzen Land. Wir waren damals richtige Pioniere. Auch heute werden nicht nur die Schreinerei und das Wohnhaus mit Schnitzeln und Abfallholz geheizt, sondern auch das Schulhaus, die Kirche sowie weitere Wohnhäuser. Einen Nachteil hat die Holzschnitzelheizung jedoch: Jemand muss sich darum kümmern. Immer wieder mal rausputzen, teils kleine Störungen beheben, Einstellungen anpassen. Das mache ich selbst, weil ich mir über die Jahre das entsprechende Wissen angeeignet hab.

Da ist die Technik bei Photovoltaikanlagen schon bedeutend einfacher. Die stellt man – etwas zugespitzt gesagt – aufs Dach und vergisst sie. Ich wollte eigentlich schon lange meinen eigenen Strom produzieren, aber es gab immer andere Investitionen, die dringender waren. Als nun das Dach des Anbaus, in dem ich das Holz lagere, undicht wurde, war die Zeit reif. Das neue Dach ist nun nicht mehr mit Eternit, sondern mit Solarpanels gedeckt. In-Dach nennt man das. Auf dem Wohnhaus installieren wir im Frühling dann die zweite Etappe. Auch dort muss das Dach renoviert werden und wir setzen auf eine architektonisch ansprechendere In-Dach-Anlage. Wie der Ertrag in der Praxis ausfallen wird, kann man natürlich im Voraus nicht ganz genau bestimmen. Aber theoretisch sollten wir dann all unsere Maschinen, die teils doch rechte Stromfresser sind, mit eigener Energie versorgen können. Dann macht das Arbeiten gleich noch mehr Spass.»

imhaslyag.ch

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im Februar 2024

Die Unterstützung

Statt eines undichten Dachs deckt nun eine Solaranlage mit 190 m2 Fläche das Holzlager und den Showroom der Schreinerei Imhasly im Goms. Im Frühsommer kommen nochmals 290 m2 auf dem Wohnhaus dazu. Bei diesen Investitionen half die Schweizer Berghilfe mit.