Hier wächst Alpsteinkorn

Rund um den Säntis herum haben sich Getreidebauern zu einem Verein zusammengeschlossen. Um die Qualität ihres Korns sicherstellen zu können, kauften sie sich gemeinsam Analysegeräte.

Der ehemalige Schweinestall von Familie Brändle im Toggenburg hat eine ziemliche Veränderung hinter sich: Er ist jetzt ein Labor.
Drei brandneue, weisse Geräte stehen hier und warten auf ihren ersten Einsatz. Während der diesjährigen Erntezeit werden Getreidebauern aus dem Toggenburg und dem Appenzellerland mit ihren Proben hierherkommen, um wichtige Hinweise zur Qualität ihres Korns zu erhalten. Stimmt der Proteingehalt? Ist die Feuchtigkeit vielleicht zu hoch? Alles Informationen, die unverzichtbar sind, wenn der Ackerbau mehr als ein Hobby sein soll.

Genau das ist das Ziel des Vereins Alpsteinkorn, dem die Analysegeräte gehören: dass im Berggebiet rund um den Säntis wieder vermehrt Getreide angebaut wird. Als zusätzliches Standbein für die Bauern, als Wiederbelebung einer alten Tradition, als Beitrag für die Ernährungssicherheit. 18 Produzenten und einige Verarbeitungsbetriebe sind bereits mit dabei, und es werden ständig mehr.

Das Projekt in Kürze

  • Verein Alpsteinkorn
  • Analysegeräte
  • Ennetbühl/SG

Vereinspräsident Köbi Knaus aus Unterwasser hat schon vor mehr als 20 Jahren auf seinem Milchwirtschaftsbetrieb erste Getreidefelder angelegt. «In meiner Lehrzeit im Unterland hatte ich Freude am Ackerbau bekommen und wollte das hier im Toggenburg auch versuchen», erinnert er sich. Heute baut er Weizen, Hafer, Gerste und Mais an, schrotet, mahlt und quetscht das Getreide selbst und hat sich eine Stammkundschaft von Bäckern und Privatpersonen aufgebaut. «Ich könnte doppelt so viel verkaufen, wie ich produziere», sagt er. Doch Wachstum ist nicht das, was Köbi interessiert. Er sucht lieber nach perfekt auf die Anforderungen im Berggebiet angepassten Getreidesorten. Alte Landsorten und moderne Züchtungen aus aller Welt – auf seinem
Versuchsfeld stehen fein säuberlich beschriftet unzählige Arten Seite an Seite. Inzwischen arbeitet Köbi bei seinen Versuchen mit Wissenschaftlern der ETH, mit Fachhochschulen und Saatgutproduzenten zusammen. «Das ist sehr spannend, und ich konnte mir so bereits ein grosses Wissen aufbauen», sagt er. Wissen, das nicht verlorengehen soll. Denn Köbi ist sich sicher: «Heute ist Brot aus lokal angebautem Getreide vielleicht ein Luxusgut, aber irgendwann werden wir als Gesellschaft wieder darauf angewiesen
sein.»

alpsteinkorn.ch

Text und Bilder: Max Hugelshofer

Erschienen im August 2022
Die Unterstützung
Früher mussten die Produzenten des Vereins Alpsteinkorn mit ihrem Proben immer lange Wege auf sich nehmen. Dank den mit Unterstützung der Berghilfe angeschafften Analysegeräten sind die Wege deutlich kürzer.