«Man muss immer Neues wagen»

«Man muss immer Neues wagen»

Mit Christbäumen hat Bauernfamilie Dönz ein neues Geschäftsfeld gefunden.

Der Winter ist für Bauern eigentlich eine eher ruhige Zeit. Die Natur gibt einen gemächlicheren Rhythmus vor. Nicht so bei Familie Dönz aus Urmein. Dort ist es in der kalten Jahreszeit am strengsten.

Dienstagmorgen, 9 Uhr. Im Stall werden gerade die 60 Rinder und Kälber gefüttert. Allerdings nicht vom Bauern Markus Dönz selbst, sondern von seinem pensionierten Vater Sebastian. Die Tiere zu versorgen, ist seine Aufgabe. Und er hilft seinem Sohn gerne, solange die Gesundheit mitmacht. Markus ist im Wohnhaus und erledigt Büroarbeiten. «Manchmal habe ich das Gefühl, der Anteil der Büroarbeit wird von Jahr zu Jahr grösser», sagt er mit einem Seufzer. Mit einem schelmischen Lächeln fügt er jedoch gleich hinzu: «Wahrscheinlich werde ich einfach immer langsamer.» Es könnte aber auch daran liegen, dass der Birkenhof von Markus und Martina Dönz seit der Betriebsübernahme vor 13 Jahren zu einem dynamischen Unternehmen mit verschiedenen Betriebszweigen geworden ist. Wer heute noch von der Berglandwirtschaft leben wolle, müsse Neues wagen und diversifizieren, sind sich Sohn Markus und Vater Sebastian einig.

Sebastian betrat vor vielen Jahren Neuland mit dem Bau eines Gewächshauses für Blumen. Markus zog nach, indem er vor 22 Jahren ein kleines Stück Land einzäunte und darin die ersten Nordmanntannen setzte. Inzwischen wachsen beim Birkenhof 7000 Tannen, und jedes Jahr verkaufen Dönz’ 800 von ihnen als Christbäume. Der jährliche Christbaumverkauf in der Adventszeit, bei dem man sich seinen Baum selbst aussuchen kann, ist zu einer Attraktion geworden, die nicht nur lokale Besucher, sondern auch solche aus Chur und Landquart anzieht.

Das Projekt in Kürze

  • Bergbauernfamilie
  • Stallneubau
  • Urmein/GR

Vor 15 Jahren kam der nächste Ausbauschritt: Markus übernahm die Pacht der Skihütte in Oberurmein. «Das hat sich zufällig ergeben.» Markus war Mitglied in einer Arbeitsgruppe zur Neuorientierung des Restaurants, bei dem einiges im Argen lag. Die Suche nach einem neuen Pächter blieb lange erfolglos. Und irgendwann habe er sich «im jugendlichen Übermut» gefragt: «Warum machst du es nicht einfach selbst?» Ohne jegliche Erfahrung in der Gastronomie stürzte er sich in das Abenteuer. Mit Erfolg. 2005 kaufte er das Gebäude der Aktiengesellschaft ab und baute einen Teil der riesigen Terrasse zu einem Wintergarten um. Im gleichen Jahr heiratete er seine Martina, und Tochter Madleina kam zur Welt. Ihr folgten Zora und Simon.

Die Kinder sind heute bei den Grosseltern. Wie fast jeden Tag während der Skisaison. Denn Markus und Martina haben in dieser Zeit viel zu tun. Ist die Büroarbeit erledigt, setzt sich Markus ins Auto und fährt die zehn Minuten ins Skigebiet nach Oberurmein. Martina ist bereits dort. Nun muss sie runter ins Tal, beim Grosshändler einkaufen. Markus isst derweil mit dem Personal Zmittag und verschwindet dann in der Küche. Bis am späten Abend wird er dort dem Koch zur Hand gehen, dazwischen Gäste begrüssen, Organisatorisches erledigen und für Fragen und Anliegen der zehn Angestellten zur Verfügung stehen. Auch Martina wird nach ihrem Einkaufsausflug in der Skihütte mithelfen, hauptsächlich beim Service und am Buffet. «Es läuft wirklich gut», sagt Markus. Die Kehrseite des Erfolgs: Der Arbeitstag dauert bis in die Nacht hinein. «Das ganze Jahr über könnten wir das nicht so machen», sagt Martina. Das würde der Familie nicht gut tun. Aber für die dreieinhalb Monate, welche die Skihütte geöffnet hat, geht es.»

Landwirtschaft bleibt wichtig

Auch wenn Markus und Martina im Winter hauptsächlich Gastronomen sind, über das ganze Jahr gesehen ist die Landwirtschaft mit der Rinderaufzucht ihr Haupterwerbszweig. Darum führte vor einem Jahr auch kein Weg daran vorbei, den Stall den neuen Tierschutzvorschriften anzupassen und zu sanieren. «Diese Investition kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt, weil wir im gleichen Jahr ein neues Kassensystem im Restaurant benötigten», sagt Markus. Dafür mussten sie alle finanziellen Reserven aufbrauchen. Doch der Stallumbau liess sich nicht weiter hinauszögern. «Ohne die Unterstützung der Berghilfe hätten wir ein echtes Problem gehabt.»

doenz.ch

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im November 2014