Schwebend zum kalten Plättli

Mehrere Jahrzehnte lang stand die Bergstation der Seilbahn Vättnerberg leer. Bis die Seilbahnkorporation daraus ein gemütliches Beizli machte. Die kleine Seilbahn fährt seither deutlich häufiger.

Unten liegt Vättis, hoch oben thront der Monte Luna. Dazwischen? Scheinbar nichts als steile Felswände. Doch dieser Schein trügt. Hat man die erste Wand überwunden, wird das Gelände flacher, fast schon lieblich. Willkommen am Vättnerberg. Vor Jahrhunderten hatten sich hier die Walser niedergelassen und dem Land eine karge Existenz abgetrotzt. Später wurden die kleinen Ställe und Wohnhütten von den Bauern im Tal als Maiensässe genutzt, also als Voralp, auf die man im Frühling und im Herbst zieht. So läuft das heute noch. Allerdings wird nur noch eine Handvoll der verstreut liegenden Hütten landwirtschaftlich genutzt.

Und noch einen grossen Unterschied gibt es: die Seilbahn. Bereits seit 1931 ist kein Fussmarsch mehr nötig, um den Vättnerberg zu erreichen. 1972 ging dann die Ära der offenen Kabine zu Ende. Damals wurde praktisch eine neue Bahn erstellt.

Das Projekt in Kürze

  • Seilbahnkorporation
  • Beizli
  • Vättis/SG

Feierabend erst um 22 Uhr

Um die neue Technik unterzubringen, musste sogar eine neue Bergstation gebaut werden. Das alte Stationshäuschen hatte seinen Dienst getan. Jahrzehntelang stand es leer. In der Zwischenzeit wurden die Sicherheitsvorschriften für Seilbahnen laufend strikter. Und der Betrieb somit immer aufwendiger und teurer. Zu teuer für die Bauern und Ferienhüttenbesitzer alleine. Also mussten zusätzliche Einnahmen her. Es nutzten zwar schon vereinzelt Wanderer und Ausflügler die Bahn, aber weil es auf dem Vättnerberg keine Einkehrmöglichkeit gab, waren es nicht viele. Also machten sich die Vorstandsmitglieder der Korporation Gedanken, wie sie den Vättnerberg attraktiver machen könnten.

Gleichzeitig war Jolanda Hobi Hengartner, die im Winter ein Pistenbeizli führt, auf der Suche nach einer Möglichkeit, auch im Sommer arbeiten zu können. Ein zufälliges Treffen, ein Gespräch, und schon war die Idee der «Seilerhütta» geboren. Mehrere Monate und sehr viel Fronarbeit später konnte Pächterin Jolanda mit ihrem Beizli in die erste Saison starten. Heute, zwei Jahre später, hat es sich herumgesprochen, dass man auf dem Vättnerberg nun auch einkehren und etwas Feines essen kann. Es kommen mehr Wanderer, aber auch die Einheimischen setzten sich ab und zu ins Bähnli, um sich bei schönster Aussicht auf der Terrasse einen Kaffee oder ein Feierabendbier zu genehmigen.

Maria Kressig, seit Jahrzehnten Präsidentin der Korporation, kann von deutlich angestiegenen Billettverkäufen berichten. Sie selbst kommt nur schon wegen Jolandas Birnenbrot gerne in der «Seilerhütta» vorbei. Und ihr gefällt, was sie jeweils sieht: «Den Leuten ist es wohl hier. Der Vättnerberg ist zum Leben erwacht, wird aber auch nicht überrannt.»

seilerhuette.ch

Text und Bilder: Max Hugelshofer

Erschienen im September 2021
Die Unterstützung
Mit viel Eigenleistung machte die Seilbahnkorporation aus der leerstehenden ehemaligen Bergstation ein gemütliches Beizli. Die Berghilfe unterstützte sie dabei.