Sichere Fahrt im steilen Gelände

Bislang gab es keinen direkten Verbindungsweg zwischen dem Hauptwohnhaus und dem «Heimet» von Familie Kempf. Dank der Berghilfe hat sich dies geändert.

Juni 2012

Tarnhose, Gnägi, Tarnmutz und Militärstiefel: Alois Kempf sitzt in fast korrektem Arbeitstenue der Schweizer Armee am Steuer seines alten Schilters. Nicht etwa, weil er seine Zeit im Militär besonders vermissen würde. Nein, die Militärkleider aus dem Shop des Zeughauses sind billig, bequem und halten ewig. «Man fällt zwar ein bisschen auf, aber die Leute gewöhnen sich daran», schreit der Bergbauer über den Lärm des kleinen Transporters hinweg, während er diesen einen holperigen Weg hinaufmanövriert, der manchem Mountainbiker zu steil wäre. Flache Stellen gibt es keine hier im Schächental, am Sonnenhang ob Bürglen. Weil ihr Weideland so steil ist, können es Kempfs nicht von einem Ort aus bewirtschaften. Wie in der Gegend üblich, arbeiten sie von vier «Heimet» aus. Diese heissen Obstgut, Planzerli, Portmattli und Plangg und sind nur durch Seilbahnen miteinander und mit dem Strassennetz verbunden. Das Hauptwohnhaus der Kempfs liegt ganz oben: die Plangg auf 1400 Metern über Meer. Von dort aus müssen sie mehrmals täglich zum Vieh in den unteren Heimet, meist zum 150 Höhenmeter tiefer gelegenen Portmattli. Wenn sie nichts zu transportieren haben, machen sie diese Strecke zu Fuss. Sonst nahmen sie früher den Schilter. Dabei mussten sie aber einen grossen Umweg über die Mittelstation der Seilbahn fahren. Der Weg war sehr steil und wurde mit der Zeit so ausgewaschen, dass nicht einmal mehr Alois sich getraute, ihn zu befahren. «Wir konnten in den letzten Jahren weder Heu noch Gülle zwischen Portmattli und Plangg austauschen und mussten darum sehr oft mit dem Vieh umziehen», erinnert er sich. Die Lösung des Problems war eigentlich einfach: Ein direkter Weg zwischen Plangg und Portmattli musste her. Allerdings überstiegen die Kosten dafür die Möglichkeiten der Kempfs bei Weitem. Weil die ganze Familie sehr sparsam lebt und kaum je neue Kleider kauft, konnte sie trotz geringem Einkommen eine respektable Summe für das Projekt zusammensparen ohne Unterstützung der Schweizer Berghilfe wäre der Verbindungsweg trotzdem ein Traum geblieben. Seit vergangenem Sommer ist er nun aber Realität, und alles ist viel einfacher geworden. «Statt einer guten halben Stunde habe ich jetzt nur noch zehn Minuten bis zum Portmattli runter», sagt Alois. «Das ist eine gewaltige Arbeitserleichterung.»

Erschienen im Juni 2012

Das Projekt in Kürze

  • Bürglen/UR