Superkräfte, Humor und Zwiebelprinzip

Sie ist eine Institution am Heinzenberg: die Lüsch Älpli-Bar. Wo im Sommer die Kühe zum Melken zusammengetrieben werden, geniessen im Winter Skifahrerinnen und Snowboarder Käseschnitten, Glühmost und die familiäre Stimmung.

Das Wetter weiss nicht so recht, was es will. Gerade eben war der Himmel noch strahlend blau und die Sonne wärmte kräftig, jetzt sieht man nur noch ein paar Meter weit und eisiger Schnee pfeift den wenigen Gästen, die noch nicht aus der Älpli-Bar auf der Alp Lüsch geflüchtet sind, um die Ohren. Nicht ins Warme können Simona Küng und Barbara Bieler. Sie führen die Bar, die keine Innenräume hat und ausschliesslich auf dem Vorplatz des Alpstalls aufgebaut ist, zusammen mit einer wechselnden Schar von Helferinnen und Helfern.

Zwar hat die Bar nur geöffnet, wenn das Wetter einigermassen mitspielt, aber vor eisiger Kälte und vor allem Temperaturschwankungen bewahrt das die beiden nicht. «Man wird Expertin im Zwiebelprinzip», sagt Simona und zeigt, wie viele Schichten Kleidung sie unter ihrem blauen Kapuzenpulli mit der Aufschrift «Team» trägt. Eine Jacke habe sie selten an, Handschuhe nie. Aber die heizbaren Schuhsolen seien eine gute Investition gewesen. So sei es bisher immer gegangen. «Und wenn es richtig schlimm wird, können wir uns ja jetzt im schön warmen WC verstecken», wirft Barbara ein. «Stimmt, der absolute Luxus, den wir hier oben jetzt haben», lacht Simona. Bis vor Kurzem war das WC der Älpli-Bar nichts für Zartbesaitete. Eine Art Container-Plumpsklo, das über dem Güllenkasten aufgestellt war. Immer eiskalt und wegen der Minustemperaturen schwierig zu putzen. «Die meisten Gäste blieben nur so lange, wie es die Blase erlaubte, und suchten dann das WC am Skilift unten auf», so Simona. «Heute bleiben sie länger sitzen und konsumieren auch mehr.»

Das Projekt in Kürze

  • Pistenbar
  • WC-Container
  • Urmein/GR

Das neue WC gab es nicht aus heiterem Himmel. Vermieterin des Vorplatzes und eines Teils des Kuhstalls, den Simona und Barbara als Lagerraum nutzen, ist die Alpgenossenschaft Lüschalp. Diese bewirtschaftet die Alp den Sommer über mit Milchkühen und produziert Alpkäse. Die Genossenschaft konnte kürzlich die längst fällige Sanierung der Gebäude umsetzen. Die Wohnhütte brauchte eine neue Dusche und eine etwas modernere Küche, ein kleiner Anbau bietet nun mehr Platz, um nasse Kleider aufzuhängen, und für das Brennholz entstand ein neuer Schopf näher bei der Käserei. Dort ist nun auch das WC für die Älpli-Bar-Gäste untergebracht. «Wir haben einfach einen fix fertigen Sanitärcontainer gekauft und ihn ins Gebäude eingebaut», sagt Genossenschaftspräsident Jürg Liver. Das sei nur halb so teuer gekommen wie ein fest eingebautes WC.

Die Unterstützung

Die Berghilfe hat die Alpgenossenschaft bei der Sanierung der Alp- gebäude unterstützt. Dabei wurde auch der WC-Container für die Gäste der Älpli-Bar angeschafft.

Alp steht im Winter nicht leer

«Uns war es wichtig, dass auch die Betreiberinnen der Älpli-Bar von der neuen Infrastruktur profitieren», sagt Jürg. Denn für die Alpgenossenschaft sind die winterlichen Mieteinnahmen ein grosses Plus. «Es ist ein riesiger Vorteil, wenn im Winter nicht einfach alles leer steht», sagt er. Auch wenn es etwas zusätzlichen Aufwand im Herbst und im Frühling bedeute. Das, was dann für die Genossenschaft an Arbeit anfällt, ist allerdings nichts im Vergleich zu dem, was Barbara, Simona und ihr Team leisten. Nicht nur die Bar selbst, auch alle Tische und Bänke sowie die ganze Holzplattform, auf der die Älpli-Bar steht, werden jeden Frühling demontiert. Vieles wird ins Tal gefahren und eingelagert, im Herbst dann wieder hochtransportiert und zusammengebaut. «Bei den Aufbauarbeiten herrscht immer eine gute Stimmung und wir haben viel Spass. Aber manchmal fragt man sich trotzdem, warum genau man sich das antut», sagt Simona.

Aber spätestens, wenn die ersten Gäste auftauchen, sind solche Gedanken weit weg. Sie geniesse den Kontakt mit den Leuten, die sie teils schon seit Jahrzehnten kenne, vor allem aber das ständige Draussensein. «Wo sonst gibt es einen Gastro-Job, bei dem man ständig an der frischen Luft ist?» Inzwischen ist das Wetter wieder schön, und die Bar hat sich gefüllt. Das Personal ist gefordert zwischen Grill, Bar und Spülmaschine. Die Käseschnitten sind heute derart gefragt, dass der vorgeschnittene Alpkäse ausgeht. Simona verschwindet zwischendurch kurz im Käsekeller der Alphütte und holt Nachschub. Viel lokaler geht es nicht.

Text: Max Hugelshofer
Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im November 2025
Die Schweizer Berghilfe leistet finanzielle Unterstützung, wenn das Geld nicht ausreicht, um ein zukunftsweisendes Projekt zu realisieren.