Von der vernachlässigten Alpweide zum blühenden Biohof

Von der vernachlässigten Alpweide zum blühenden Biohof

Natur pur gibt es auf dem Biohof Munt la Reita im Tessin zu erleben.

Über dem Dörflein Cimalmotto, zuhinterst in einem Seitental des Maggiatals, liegt inmitten der schönsten Tessiner Bergwelt der Bergbauernbetrieb Munt la Reita. Familie Senn hat hier während 25 Jahren aus einer verwahrlosten Alpweide einen Biohof mit eigener Käserei gemacht. Mit dem Hof ist langsam auch das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten gewachsen. Man kann im Massenlager schlafen, in einem kleinen Blockhaus oder in einem ausgebauten ehemaligen Bauwagen.

«Ja gerne, ein paar zusätzliche Hände, die gerne anpacken kann ich gebrauchen», sagt Verena Senn, die gerade am Käsen ist, und drückt dem Gast zwei volle Kessel mit Schotte in die Hände. «Bitte dort drüben ins Becken giessen. Danke. Die Schotte fliesst dann direkt zu den Schweinen. Hier hat es noch mehr Kessel.» Wer auf Munt la Reita Ferien macht, der kann nicht nur wandern, biken und die Natur geniessen, sondern auch den Alltag eines Bergbauernbetriebs hautnah miterleben.

In die Rolle der Gastgeber sind Verena, ihr Mann Markus und die drei erwachsenen Söhne Eli, Lukas und Samuel ungeplant gerutscht. Bereits als Verena und Markus vor 25 Jahren anfingen, auf dem seit Jahren nicht mehr bewirtschafteten Land eine Existenz aufzubauen, kamen immer wieder Wanderer vorbei, die nach einer Übernachtungsmöglichkeit nachfragten. Doch damals konnten Senns ihnen noch keine Unterkunft bieten. Erst mussten sich Senns selbst eine Existenz aufbauen. Sie befreiten die Weiden von Büschen, legten einen Garten an, bauten einen kleinen Stall und wohnten die erste Zeit alle zusammen in einem einzigen Raum direkt über dem Vieh. Jahr für Jahr folgten weitere Ausbauprojekte. Dabei erhielten Senns immer Unterstützung von Freunden und Bekannten, später auch von Schulklassen auf Arbeitseinsätzen. Diese Helfer mussten irgendwie untergebracht und verköstigt werden. So entstanden ganz nebenbei verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten auf Munt la Reita, die heute von den unterschiedlichsten Menschen genutzt werden. Wanderer und Biker, die auf einer mehrtägigen Tour sind, übernachten kostengünstig im Matratzenlager, Familien buchen die Zweizimmerwohnung oder geniessen das besondere Ambiente in einem der beiden umgebauten Baustellenwagen.

Das Projekt in Kürze

  • Bergbauern
  • Zufahrtsstrasse zum Hof
  • Cimalmotto/TI

Senns haben einen strengen Winter hinter sich. Die aussergewöhnlichen Schneemengen in der Südschweiz haben ihnen arg zugesetzt. «Wir wussten nicht mehr wohin mit dem Schnee», sagt Markus. Er und seine drei Söhne haben von Weihnachten bis Ende März kaum mehr etwas anderes gemacht als Schnee zu schaufeln. «So viel Schnee hatten wir hier in unseren 25 Jahren noch nie», sagt Verena. Die weisse Pracht blieb lange liegen und verzögerte auch das neuste Bauprojekt auf Munt la Reita: eine neue Zufahrtsstrasse. Die bisherige war sehr steil und verwandelte sich im Winter gern in eine Bobbahn. Per Auto ist der Hof dann nicht mehr erreichbar und Stürze gehören leider zur Tagesordnung. Sowohl Markus als auch Verena haben sich im vergangene Winter schon weh getan. Die neue Kiesstrasse, die Senns nur dank Unterstützung der Schweizer Berghilfe bauen können, führt über flacheres und vor allem weniger schattigeres Gelände. So wird in normalen Wintern die Sonne dafür sorgen, dass sich nach dem Pflügen keine Eisfläche bildet. Markus: «Der neue Weg wird uns das Leben in den nächsten Jahren viel einfacher machen.»

muntlareita.ch

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im August 2014