Briefmarken für die Berghilfe

Peter Utz sammelt leidenschaftlich: Fotosujets, Bücher oder Postkarten. Am liebsten aber Briefmarken – und seit einigen Jahren sammelt er durch sie sogar Spenden für die Schweizer Berghilfe

«Morgens, wenn ich aufstehe, schaue ich als Erstes aus dem Fenster: Ist das Wetter gut genug? Dann packe ich entweder meine Kamera oder alles zum Fischen ein und gehe hinaus», sagt Peter Utz. «Sonst setze ich mich zuerst an den Computer und kontrolliere, ob es Käufe für meine angebotenen Briefmarken gegeben hat.» Falls ja, bereitet der Berner alles für den Versand vor und erfasst die Einnahmen auf den Rappen genau in einer Excel-Tabelle. «Ich habe Freude, wenn ich zum Beispiel vier Franken fünfzig Rappen eintragen kann. Jeder Marken-Verkauf ist eine kleine Genugtuung, das ’fägt’», sagt er. «Ich will aber auch sicher sein, dass alles jederzeit transparent ist.» Die Einnahmen behält der passionierte Sammler nämlich nicht für sich. Er spendet sie an gemeinnützige Organisationen. Der heute 64-Jährige hatte sich nach der KV-Lehre weitergebildet und war bis vor vier Jahren verantwortlich für die Personalentwicklung in verschiedenen Firmen. «Ich habe bewusst früher aufgehört zu arbeiten», sagt er, «aber für mich war immer klar: Nach der Pensionierung will ich weiter etwas Sinnvolles tun und wählen können, für was ich meine Zeit einsetze. Der Freiwilligen-Gedanke ist dabei zentral für mich.»

Kunst und Präzision

Das Sammeln zieht sich als roter Faden durch das Leben des Berners. Wie fast alle Buben seiner Generation faszinierten ihn Briefmarken. Mit etwa dreizehn Jahren erlosch aber sein Interesse. Er tauschte seine Sammlung mit dem Vater gegen dessen Fotokamera ein. Bilder kreieren und sammeln – zuerst analog, später digital und manchmal auch malend – wurde seine neue Passion. Erst im Alter von 50 erwachte seine alte Leidenschaft für die Philatelie erneut. «Ich male und fotografiere. Und hier sind die Briefmarken wie eine Schnittstelle: Es sind oft kleine Kunstwerke», sagt er. «Besonders gefallen mir Motive aus der Natur. Zum Beispiel die Kristallserie von Pro Patria oder die Insekten-Serien von Pro Juventute, beide sind aus den 1950er-Jahren.»

Verkaufen, um Spenden zu sammeln

Hatte der Vater zweier Buben lange für sich selbst Briefmarken gesammelt, änderte sich das vor einigen Jahren. Einer seiner Söhne besuchte die Steinerschule. Dort spenden Eltern Gegenstände, unter anderem auch Briefmarken. Diese werden am jährlichen Bazar verkauft, der Erlös kommt der Schule zugute. Peter organisiert seit 2014 den Verkauf der Briefmarken. Als 2020 der Bazar wegen der Coronapandemie ausfiel, bot Peter erstmals online Briefmarken an. Mit Erfolg. Seither sucht er Briefmarkenspenden und versteigert sie online. Die Spenderinnen und Spender entscheiden, ob die Einnahmen der Steinerschule oder der Berghilfe zugutekommen. In den letzten vier Jahren kamen so mehrere tausend Franken für die Berghilfe zusammen. «Jeder so gesammelte Franken freut mich», sagt er, «aber die Begegnungen mit Briefmarkenbegeisterten sind mindestens so bereichernd. Am schönsten sind jene mit den Kindern am Bazar der Steinerschule. Es ist toll zu erleben, mit welcher Freude sie einzelne Motive sammeln.»

Text und Bilder: Alexandra Rozkosny

Erschienen im Dezember 2025

Eigene Briefmarken spenden

Wer seine eigene oder geerbte Briefmarkensammlung für einen guten Zweck spenden will, kann sich via folgende E-Mail-Adresse an Peter Utz wenden: