«Im Holz-Bereich stehen grosse Investitionen an»

Die Schweizer Berghilfe unterstützt jedes Jahr rund 20 Projekte mit «hölzigem» Hintergrund. Von der neuen CNC-Maschine einer Schreinerei über die Forstseilbahn oder den Hotelneubau aus Holz, bis hin zur Holzschnitzelheizung. Projektleiter Martin Abderhalden ist bei der Berghilfe für Holzprojekte zuständig.

Die Schweizer Berghilfe definiert jedes Jahr ein Schwerpunktthema. Dieses Jahr ist es «Holz». Warum?
Martin Abderhalden: Holz gibt einfach gute Projekte her. Es existiert ausserhalb der Landwirtschaft in unseren Bergregionen wohl kein Wirtschaftszweig, bei dem von der Ressource bis zum fertigen Produkt jeder Schritt der Wertschöpfungskette vor Ort stattfindet.

Wieso ist das wichtig?

Unser Stiftungszweck sind belebte Berggebiete. Die Menschen in den Bergen können aber nur in ihrer Heimat wohnen bleiben, wenn sie dort auch ihren Lebensunterhalt verdienen können. Also braucht es Arbeitsplätze, und zwar möglichst viele und möglichst unterschiedliche.  Holzprojekte mit ihrer hohen Wertschöpfung vor Ort leisten hier einen wichtigen Beitrag.

Gibt es einen Bereich, den die Berghilfe speziell fördert?

Nein. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe und sagen unseren Projektträgern nicht, was sie zu tun haben. Je unterschiedlicher die Projekte sind, desto besser. Persönlich finde ich es schön, wenn nebenbei auch noch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird. Kürzlich war ich zu Besuch bei einer Sägerei im Kanton Schwyz. Dank einer neuen, mit Abfallholz betriebenen Fernwärmeanlage können nun 40 Haushalte umweltfreundlich mit Holz heizen statt mit Erdöl oder Gas.

Was sind aktuell die grössten Herausforderungen im Holz-Bereich?

Bei vielen Firmen stehen grosse Investitionen in Maschinen an. Ohne CNC-Fräse ist manche Schreinerei nicht mehr konkurrenzfähig. Und diese Dinger sind teuer. Da kann es bei der Finanzierung auch für einen gut laufenden Kleinbetrieb eng werden. Es geht bei diesen Anschaffungen übrigens nicht nur um die Kundenseite. Technisch veraltete Betriebe finden auch kaum mehr Lehrlinge oder junge Angestellte.

Unter welchen Voraussetzungen können Betriebe auf einen Beitrag der Berghilfe hoffen?

Der Betrieb muss im Berggebiet liegen. Ausserdem muss es sich um ein privatwirtschaftliches Unternehmen handeln. Also zum Beispiel eine AG, eine Genossenschaft oder eine Einzelfirma. Initiativen der öffentlichen Hand können wir nicht unterstützen. Und natürlich muss eine Finanzierungslücke vorhanden sein. Dann prüft die Berghilfe das Gesuch und übernimmt bei positiver Beurteilung den fehlenden Restbetrag.

Interview, Bilder und Video: Max Hugelshofer

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