Start ist am Bahnhof Entlebuch, die Route führt gut sieben Kilometer den Bächen Entle, Bibere und Kleine Emme entlang nach Schüpfheim. Angesagt ist eine gemütliche Wanderung mit zwischenzeitlichen Stopps, bei denen gemalt wird. Fast jede Woche bietet Ueli solche Ausflüge an. Nebst Kursen, mehrtägigen Ausflügen und Workshops. Er hat auch mehrere Bücher mit seinen Bildern herausgegeben und zeichnet im Auftrag. Seit sechs Jahren lebt der ehemalige Lehrer von der Kunst. «Ich habe schon immer leidenschaftlich gezeichnet und wusste, dass ich irgendwann nichts anderes mehr machen möchte», erzählt er. «Mit 50 Jahren habe ich mich dann endlich getraut, diesen Schritt zu machen.»
«Nature Sketching» nennt er seine Kunstrichtung, abgeleitet vom populären «Urban Sketching», bei der sich Leute mit Papier und Malkasten irgendwo in der Stadt hinsetzen, eine Szenerie oder ein Detail abzeichnen und dann das Werk auf Social Media teilen. «Ich mache etwas ähnliches, aber halt meist in der Natur draussen.» Biologie, Geologie, Geografie, das sind die Themen, für die sich Ueli interessiert und in denen er auch sattelfest ist. So ist eine Wanderung mit ihm immer auch eine Lehrstunde in Botanik und ein Aufzeigen von lokalen Zusammenhängen in der Natur. Einmal Lehrer, immer Lehrer.
Auf der heutigen Wanderung dauert es keine Minute, bis Ueli den ersten Stopp einlegt. Noch auf dem Parkplatz beim Bahnhof Entlebuch. Er bückt sich, begutachtet ein unscheinbares Pflänzchen, das sich zwischen Asphalt und Kantstein in die Höhe kämpft. Wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren, handelt es sich dabei nicht einfach um Unkraut, sondern um einen Kompasslattich und damit nichts weniger als dem wilden Vorgänger unseres Kopfsalats. «Wollt ihr den zeichnen? Habt ihr Lust?», fragt Ueli die Gruppe. Aber die möchte lieber erst ein bisschen raus in die Natur.