Die Expedition war hart. Wegen politischer Entscheide nach Trumps Wahl waren erfahrene Leute auf den Forschungsschiffen durch Männer aus der Erdölbranche ersetzt worden. Unser Kapitän hatte kaum Erfahrung mit Eisbrechern, war Klimaskeptiker und überzeugter Trump-Anhänger. Wir mussten um jedes Manöver kämpfen. Einmal gerieten wir sogar in grosse Gefahr: Einige von uns waren mit einem Zodiac, einem grösseren Schlauchboot, aufs Meer herabgelassen worden, um Proben zu nehmen. Wind kam auf, das Eis schloss uns ein und trieb uns ab. Der Kapitän hätte uns warnen sollen, tat es aber nicht. Wir sassen bei gefühlten minus 45 Grad ohne Wasser und Essen fest. Erst nach rund zwei Stunden wurden wir gerettet.
Was aber viel schlimmer war: Wir hatten gesehen, wie katastrophal die Lage in der Antarktis war – das Meereis schmolz viel stärker, als die Satellitendaten gezeigt hatten. Das hat enorme Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, denn die Pole sind die Thermostate unseres Planeten. Und gleichzeitig dachte ich: Es wird sich trotzdem nichts ändern. Eine grosse Wut stieg in mir auf und mir wurde klar: Forschen allein genügt nicht mehr. Hinzu kam: Als Frau in der Feldforschung hatte ich oft das Gefühl, dass einfache, aber wichtige Bedürfnisse nicht mitgedacht wurden. In Grönland lebten wir zwei Monate auf einem Gletscher-Camp auf 3000 Metern Höhe und schliefen in Zelten auf dem Eis. Die Toiletten waren zusätzliche Zelte mit einem Loch im Eis. Uns fünf Frauen brachte man im Zelt unter, das am weitesten davon entfernt war. Männer konnten sich rasch neben dem Zelt erleichtern oder eine Flasche benutzen. Wir mussten nachts alle Kleiderschichten anziehen und loslaufen – bei Nebel mühsam und sogar gefährlich. Dann hiess es: «Ihr wollt Gleichheit, also habt ihr Gleichheit.» Aber ich will nicht Gleichheit um jeden Preis, sondern Fairness. Es geht darum, die Stärken aller zu nutzen und so gemeinsam voranzukommen.