Wo es nach dem Scheren weitergeht

Wo es nach dem Scheren weitergeht

50 Franken pro verkaufte Matratze hat Bico in einer zweimonatigen Aktion für die Berghilfe gespendet. Ein grosser Teil des Erlöses floss in den Neubau des Schafstalls von Hans und Irene Hohl. In der Produktionsstätte in Schänis erhalten sie eine exklusive Führung durch den Ort, wo auch ihre Schafwolle zu Matratzen verarbeitet wird.

Wer liebt es nicht? Das Gefühl, sich nach einem anstrengenden Tag abends wohlig in ein bequemes Bett zu legen. Der Schweizer Matratzenhersteller Bico kennt die Geheimzutat dazu: Schweizer Schafwolle. Darunter auch die Wolle der Schafe von Hans und Irène Hohl aus Wald im Appenzell. Die beiden hatten Glück: Zwei Monate lang hat Bico in einer Aktion für jede verkaufte Matratze 50 Franken an die Berghilfe gespendet. Auf diese Weise ist innert zwei Monaten eine stolze Summe von 200 000 Franken zusammengekommen. Ein Teil des Geldes floss zu Hans und Irène Hohl für den Neubau ihres Schafstalls.

«Es ist uns ein grosses Anliegen, dass die Nachfrage nach Schweizer Wolle grösser wird und die Bevölkerung ein Bewusstsein für die lokale Landwirtschaft entwickelt. Wir sind überzeugt, dass uns dies mit dem Beispiel von Familie Hohl sehr gut gelungen ist», sagt Toni Haberthür, CEO von Bico. Hohls hatten viele Jahre auf die Haltung von Kühen gesetzt. «An unseren Schafen, die wir schon lange als Hobby gehalten haben, hatten wir schon immer Freude,» sagt Hans Hohl. Deshalb haben die beiden beschlossen, auf die Schafzucht zu setzen. Bico und die Berghilfe kamen wie gerufen. Um die Aktion zu begleiten, haben Bico-Mitarbeitende mehrmals den Hof von Familie Hohl besucht. «Diese Treffen waren wirklich lässig. Die Chemie zwischen uns hat sofort gestimmt», findet Hans Hohl. Als Dankeschön für die aufgewendete Zeit lud Bico die beiden nach Schänis in ihre Produktionsstätte ein. Damit Hohls für einmal nicht die Gastgeber sind, sondern die Gäste. Und damit sie direkt vor Ort sehen können, was mit «ihrer» Wolle passiert. Diese gelangt via Swisswool, welche die Wolle einsammelt, zu Bico.

Toni Haberthür, Balz Käslin, Leiter Wareneingang, und Jens Fischer, Director Marketing und Produktentwicklung, führen das Ehepaar durch die Fabrik. Rund 40 Mitarbeiter fertigen hier im St. Gallischen bis zu 500 Matratzen pro Tag an. Hans und Irene verfolgen Schritt für Schritt, wie die gelieferte Wolle ins fertige Endprodukt gelangt. Die beiden sind beeindruckt vom Gesehenen: «Die vielen Schritte, die dahinter stecken, und diese Präzisionsarbeit, die zu einem erheblichen Teil von Hand verrichtet wird – das hätte ich nicht gedacht», staunt Irene Hohl. Aber Hohls sind nicht nur da, um etwas zu lernen. Die beiden dürfen die verarbeitete Wolle natürlich auch in die Hände nehmen, und sie gleich selber mit dem Kennerauge prüfen. Für ihre Wolle finden die beiden auch selber Verwendung. Für die Isolation ihres neuen Schafstalls haben Hohls beispielsweise die Schurwolle ihrer Schafe verwendet – ohne zu waschen, direkt nach dem Scheren. Ihre Wolle landet also nicht immer in einer Bico-Matratze.

Text: Anja Hammerich

Bilder: Max Hugelshofer

Erschienen im März 2020