Rund 200 Schafe brauchen ein neues Daheim für den Winter

Die Familie Nager hält rund 130 Mutterschafe sowie deren Lämmer im Urner Dorf Realp. Während die Tiere im Sommer viel Platz auf den Alpweiden geniessen, verbringen sie den Winter in drei engen Ställen. Das will die Familie endlich ändern und plant einen Neubau.

Das Gatter geht auf: Drei, vier, fünf Schafe stürmen vorwärts. Hinter ihnen schliesst Nicola Nager das Gatter sofort. Jetzt stehen die Schafe zwischen Metallstäben in einem engen Korridor, auf dem Marktplatz von Realp, dem letzten Urner Dorf vor dem Furkapass. Während gleich nebenan der übliche Passverkehr durchrollt, tunken Vater Reto Nager und Sohn Nicola je einen grossen Pinsel in Farbtöpfe und markieren Schaf um Schaf. Die beiden Männer schwitzen. Jetzt, Ende Juni, hat die Sonne schon um zehn Uhr morgens viel Kraft. «Aber trotz der Hitze finde ich die Arbeit heute viel angenehmer. Draussen zu arbeiten gefällt mir viel besser als die Arbeit in den Ställen während des Winters», sagt Nicola.

Die Nagers müssen nämlich ihre Schafe in der kalten Jahreszeit auf drei Ställe verteilen, alle liegen eng umgeben von Wohnhäusern. Zwei davon sind aneinandergebaut. Der dritte liegt fast schon idyllisch mitten im alten Dorfkern von Realp. Hier, zwei Strassen hinter dem fast nicht abreissenden Strom an Passfahrern, hört man fast nichts vom Verkehr. Steinerne Hausfassaden und Kopfsteinpflaster prägen das Bild der schmalen Gasse. Nur das riesige Rohr des Heugebläses verrät, dass eines der Gebäude nicht zum Wohnen gedacht ist. Etwa 30 ihrer Schafe überwintern hier im Erdgeschoss. Betritt Nicola Nager den Stall, muss er den Kopf schief halten, um überhaupt Platz zu finden. Im Winter ist es noch enger, dann verkürzt das Stroh die Raumhöhe um weitere 20 Zentimeter, mindestens. «Den Schafen fehlt es an Frischluft, und hier zu arbeiten ist wirklich anstrengend», sagt der 26-Jährige. Hinzu kommt: Damit die Schafe auch im Winter etwas Auslauf haben, müssen die Nagers einen Teil der Gasse mit Gattern absperren.

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Gepunktet auf die Alp

Doch aktuell steht die bessere Hälfte des Jahres an, für die Nagers und für ihre Schafe: Letztere dürfen auf die Alp. Damit sie dort gesund bleiben, erhalten alle einen Schuss Entwurmungsmittel und drei Farbtupfer: Einen roten und gelben für Familie Nager als Besitzer, und einen violetten für die Alpkorporation, zu der sie ziehen. An die 130 Schafe haben Vater und Sohn zusammengetrieben, ihre zwei Hirtenhunde Flash und Bailey halfen mit. «Als Künstler würde ich wohl durchfallen», scherzt Nicola, während er versucht, einem quirligen Jungschaf die Tupfer aufs Fell zu malen. Die Tupfer werden diesmal eher Schlieren. Bei der erfahrenen Schafmutter geht es einfacher.

Mit neuem Stall vom Betrieb leben

Schafe gehören schon lange zur Familie. In den steilen Hängen des Urserentals sind sie ideale Futterverwerter und helfen sogar mit, die Verbuschung etwas zurückzudrängen. Doch die Stallsituation bereitet Reto Nager schon lange Sorgen. Sie entspricht nicht mehr den Tierschutzvorschriften. Und weil der Platz fehlt, konnte Reto den Betrieb nie so vergrössern, dass seine Familie ganz von Schafen hätte leben können. Erste Pläne für einen Neubau hatte er vor über zehn Jahren entworfen. Doch die Lösungen waren zu teuer. Als Nicola sich entschied, den Betrieb zu übernehmen, brachte er auch neue Ideen ein. So werden einige Mutterkühe im Stall Platz finden und den Betrieb auf eine solide Basis stellen. Einen neuen Ort ausserhalb des Dorfes fanden die Nagers auch. Doch der Kanton fordert besonders dicke Wände wegen der Lawinengefahr, ein besonders stabiles Dach wegen des Schnees und wegen der Kälte speziell isolierte Wasserleitungen. Das alles verteuerte den Bau. Die Mittel der Familie reichen nicht ganz, um den Neubau zu finanzieren.

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