Unten «Gusti», oben Gäste

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Endlich nicht mehr hin und her fahren. Das gesamte Vieh der Familie Annen aus Gstaad findet in Zukunft unter einem Dach direkt beim Wohnhaus Platz. Annens sind nämlich mitten in den Arbeiten für einen neuen Anbau am bestehenden Stall. Die Erweiterung bringt nicht nur eine Arbeitserleichterung, sie löst auch das Problem des nicht mehr gewässerschutz-konformen Mistplatzes. Und unter dem Dach können bald Gäste im Stroh schlafen.

Kein Muhen, sondern das Kreischen einer Fräse ertönt aus dem Stall, der wenige Kilometer vom mondänen Gstaader Dorfzentrum entfernt auf der sattgrünen Frühsommerwiese steht. Bergbauer Urs Annen ist gerade daran, Latten zurecht zu sägen. Diese schraubt er nach und nach an die Fassade, um die Spalten zwischen den Wandbrettern abzudecken. Der gelernte Zimmermann macht sehr viel selbst am neuen Anbau. Beim Betonieren war er dabei, das Dach hat er zusammen mit einigen Kollegen selbst aufgerichtet und die restlichen Arbeiten erledigt er, wann immer er zwischendurch Zeit findet. Manchmal hilft Sohn Nils mit, der in einem benachbarten Betrieb eine Lehre als Zimmermann absolviert. Und auch dessen kleiner Bruder Linus, der noch zur Schule geht, packt in seiner Freizeit kräftig mit an. Linus ist es auch, der die Bauernlehre machen und irgendwann den Betrieb übernehmen möchte.

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Auslöser war der Misthaufen

Bis im Herbst, wenn das Vieh von der Alp kommt, muss alles fertig sein. Im neuen Anbau werden dann die «Gusti», also die Jungrinder, einziehen. Bisher waren sie in einem kleinen Stall in Lauenen untergebracht, mit dem Auto zehn Minuten vom Hof der Familie Annen entfernt. Im Winter bedeutete das sehr lange Tage für Urs, der dann tagsüber jeweils als Skilehrer arbeitet. «Zwei Mal pro Tag hin und her fahren, das macht 40 Minuten», sagt er. «Ich freue mich deshalb sehr darauf, mir in Zukunft wenigstens dieses Hin- und Herfahren sparen zu können.»

Der Auslöser für das Bauprojekt war der Misthaufen beim alten Stall in Lauenen. Der entsprach schon lange nicht mehr den Anforderungen an den Gewässerschutz. Ein Provisorium aus zwei Lastwagenmulden wurde vorübergehend gebilligt. Aber eher früher als später musste etwas passieren. Beim alten, fast baufälligen Stall ein neues Güllenloch mit Mistplatz zu bauen, erschien Urs und Raya Annen wenig sinnvoll. Also entschieden sie, alles an einem Ort zusammenzuziehen und beim Hauptstall nahe am Wohnhaus einen neuen Laufstall für die «Gusti» zu errichten. Samt einem gewässerschutz-konformen Mistplatz – und einem Raum fürs Schlafen im Stroh.

Denn Raya Annen hat gleich zu Beginn der Planung gemerkt: «Das gibt einen wunderschönen Raum hier oben unter dem Dach. Den müssen wir nutzen.» Schlafen im Stroh erlebte sie, die Teilzeit als Kindergärtnerin arbeitet, schon mehrmals mit Schulklassen, die sie auf Ausflügen begleitete. «Das war immer so eine schöne Stimmung, das konnte ich mir hier bei uns auch gut vorstellen.» Schnell zeigte sich, dass es so ein Angebot im niedrigen Preissegment im ganzen Saanenland noch nicht gibt. Also beschlossen Annens, Nägel mit Köpfen zu machen und zusätzlich ein kleines Bad einzubauen. Tochter Yara, die vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Fachfrau Betreuung steht, will mithelfen, sich um die Gäste zu kümmern. Und Raya liegt die Gastgeberrolle sowieso: «Ich freue mich schon, die ersten Gäste mit einem feinen Buurezmorge begrüssen zu können.»

Von Bauteuerung überrascht

Mit der Planung ihres Projekts hatten Annens bereits vor vier Jahren begonnen. Verschiedene Auflagen im Bewilligungsverfahren machten aber einige Änderungen nötig und verzögerten alles. Als es dann endlich losgehen konnte, waren die eingeholten Offerten alle nicht mehr gültig. Nur schon das benötigte Material war zwischen 20 und 30 Prozent teurer. Diese unerwarteten Mehrkosten konnten Annens nicht aus eigener Kraft tragen und fragten bei der Schweizer Berghilfe um Unterstützung an.

Die Berghilfe hat Annens Gesuch geprüft und Unterstützung in der Höhe von 50 000 Franken zugesichert. 15 000 Franken fehlen uns noch. Helfen Sie mit, diesen Betrag zu sammeln.

Text und Video: Max Hugelshofer
Bilder: Max Hugelshofer und Deborah Schmid

Erschienen im Juni 2023