Waadtländer Gras für Berner Alpkäse
Unterstützen Sie jetzt die Familie von Siebenthal bei Gsteig/BE.
Unterstützen Sie jetzt die Familie von Siebenthal bei Gsteig/BE.
Melken im Waadtland, weiden im Bernischen: Viele Kühe der Familie von Siebenthal wechseln täglich die Kantonsgrenzen. Für sie spielt das keine Rolle, aber es prägt den Alltag der Älplerfamilie. Vor allem jetzt, wo sie einen Neubau anpackt.
Stockfinster ist es am Col de Pillon im Kanton Waadt. Das Gebäude auf der Alp Iserin auf 1750 Metern über Meer steht dunkel im Grashang. Nur die Kalkfelsen der mächtigen Diablerets gegenüber schimmern im fahlen Licht des Mondes. Da taucht kurz der Lichtschein einer Stirnlampe in einem Fenster auf, dann ein zweiter. 4:30 Uhr ist es, fast mitten in der Nacht. Zeit zum Aufstehen für Familie von Siebenthal. Zumindest für die zwei Erwachsenen der siebenköpfigen Familie. Patricia heizt als erstes den Wasserboiler mit Holz ein, Jörg steigt in den Käsekeller hinunter. Während der nächsten fünf Stunden werden die beiden die Käserei putzen, die Kühe von der Weide holen, melken und die Milch jeder Kuh einzeln zum Käsekessi tragen. Am Ende des Morgens werden sie aus den rund 350 Litern Milch drei grosse Laibe Alpkäse produziert haben. Ohne Strom. Nur mit Holz zum Heizen und mit Stirnlampen fürs Licht. Bloss für den Betrieb der Melkmaschinen werfen sie einen kleinen Generator an. Wenn die fünf Kinder der von Siebenthals aus den Betten kriechen, ist die Hälfte der Arbeit schon vollbracht.
«Das Wichtigste hier ist die Organisation. Denn die Küche und die Käserei befinden sich in einem Raum», sagt Patricia, «wir müssen aufpassen, dass keine schädlichen Bakterien an die frischen Käse kommen. Das z’Mittag können wir darum erst kochen, wenn die drei Laibe fertig zugedeckt auf dem Presstisch liegen.» Darum hat die 33-Jährige auch das Frühstück schon um fünf Uhr in der Stube vorbereitet. Und der fehlende Strom ist auch der Grund, warum Jörg auch gleich als erstes im Käsekeller die Laibe geschmiert hat. «Der Käsekeller wird ausschliesslich durch die Kälte des Bodens gekühlt, darum müssen wir besonders aufpassen, dass keine heisse Luft in den Keller dringt. In der Nacht ist es noch kühl. Wenn ich dann die Türen auf und zumache, ist das kein Problem», sagt der 35-Jährige. Später, wenn die Morgensonne aufs Gebäude brennt, wird Patricia sogar noch ein grosses Tuch vor den Eingang hängen, um die Hitze abzuhalten.
«Bis letztes Jahr haben meine Eltern hier oben gekäst und ich habe ihnen einfach geholfen», sagt Jörg. «Dieses Jahr sind wir erstmals selbst mit der Familie den Sommer über hier. Weil unser jüngstes Kind erst gut halbjährig ist, haben wir eine Mitarbeiterin eingestellt.» Denn obwohl Patricia und Jörg von früh bis spät anpacken und jeder Handgriff sitzt, kämen sie allein nicht nach mit all der Arbeit. Nicht nur wegen der minuziös zu planenden Abläufe beim Käsen, sondern auch wegen der vielen Handarbeit im Stall der Milchkühe. Jede muss einzeln gemolken werden, die Milch in Kübeln in die Käserei gebracht und der Stall von Hand ausgemistet werden. Alles ohne Strom. «Wir wussten schon lange, dass man hier etwas verbessern muss, dass es zum Beispiel eine Rohrmelkanlage braucht. Auch entsprach die Käserei nicht mehr den Hygienevorschriften. Deshalb tätigten die Schwiegereltern hier einen kleinen Umbau. Für ein grösseres Projekt hatten sie nicht mehr die Kraft», sagt Patricia. Erschwerend kommt hinzu: Das Alpgebäude mit der Käserei und dem Milchviehstall liegen im Kanton Waadt, der Stall der Mutterkühe hingegen im Bernischen, wo auch der Talbetrieb der Familie liegt. «Wir wollten das alte Gebäue eigentlich bewahren», sagt Jörg, «doch dann hätte es einen sehr aufwändigen Ausbau gebraucht und wir hätten nicht über die Kantonsgrenze bauen dürfen. Das wäre sehr kompliziert geworden. Günstiger und schlussendlich nachhaltiger ist ein Neubau beim Mutterkuhstall, der im Bernischen steht.». Das neue Alpgebäude mit Stall und Wohnteil wird 40 Tiere beherbergen können, die Käserei wird vom Wohnteil abgetrennt sein und eine Solaranlage endlich den kühlenden Strom bringen. Viel wird sich dann für die von Siebenthals ändern, aber wenig für die Kühe: Die werden weiterhin genüsslich Waadtländer Gras in Milch für Berner Alpkäse umwandeln.
Um den Neubau zu ermöglichen, hat die Berghilfe eine Unterstützung in der Höhe von 80'000 Franken zugesagt. 65’000 Franken haben wir schon. Helfen Sie mit, die fehlenden 15’000 Franken zu sammeln.