Alpakas haben ihr Leben umgekrempelt

Alpakas haben ihr Leben umgekrempelt

Bei Schmockers im Schwarzenburgerland dreht sich alles um Alpakas und deren Wolle. In einer ehemaligen Werkstatt haben sie sich eine komplette Wollverarbeitungsanlage eingerichtet. Nach Startschwierigkeiten läuft das Geschäft jetzt.

Es geschah am helllichten Tag: Sandra und Bruno Schmocker machten einen Spaziergang und kamen dabei an einer Herde Alpakas vorbei. Da war es um Sandra geschehen: «Ich wusste sofort, solche Tiere will ich auch». Schon bald hatte sie eine rund 50-köpfige Herde, züchtete und belegte mit ihren Tieren an Shows regelmässig Topplatzierungen. Etwas störte Sandra jedoch: Die rund 200 Kilo hochwertiger Wolle, die beim alljährlichen Schären anfielen, konnten nicht verwertet werden. Weil sie sahen, dass alle Züchter das gleiche Problem hatten, beschlossen Sandra und Bruno, etwas dagegen zu tun. Bruno, der in der Maschinenbauindustrie
arbeitet, konnte durch seine Kontakte gebrauchte Textilmaschinen aus ganz Europa zusammenkaufen.

Nach und nach kam so in der ehemaligen Werkstatt von Schmockers Bauernhaus ein Maschinenpark zusammen, der die Verarbeitung der Wolle vom Waschen übers Karden und Kämmen bis zum Spinnen ermöglicht.

Das Projekt in Kürze

  • Wollverarbeiter
  • Saniertes Werkstattgebäude
  • Milken/BE

Schwieriger Anfang

Der Anfang war allerdings hart. «Wir schafften es einfach nicht, die Maschinen richtig einzustellen und gute Ergebnisse zu erzielen», so Bruno. «Vielleicht wollten wir zu schnell zu viel», sinniert der 53-Jährige. Er hatte damals das Pensum bei seinem Arbeitgeber reduziert und dachte bereits daran, mehrere Angestellte einzustellen. Wegen der Probleme mit der Technik konnten Schmockers jedoch nie die geplante Menge an Wolle verarbeiten, und so ging die Rechnung auch wirtschaftlich nicht auf. «Es war eine sehr harte Zeit», erinnert sich Bruno. Ein Coach, dessen Einsatz von der Schweizer Berghilfe mitfinanziert wurde, brachte eine wichtige Aussensicht ins Unternehmen – und gleichzeitig bekam Bruno langsam seine Maschinen in den Griff. Heute, über fünf Jahre, nachdem der erste Tieflader mit einem graugrünen Koloss in Milken vorfuhr, läuft das Geschäft. Über ihren Webshop und auf Märkten verkaufen Sandra und Bruno vor allem Duvets und Kissen. Vor Weihnachten waren es so viele Bestellungen, dass sie kaum mit Produzieren nachkamen.

yarda-yarn.com

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im September 2020
Die Unterstützung
Die ehemalige Werkstatt, in der die Wollverarbeitungsmaschinen von Familie Schmocker untergebracht sind, konnte dank der Unterstützung der Berghilfe saniert werden.