Apfelmost ist erst der Anfang
Vom Unterengadin ins Münstertal und zurück tourt schon bald wieder die mobile Mosterei. So kommen Besitzer von Apfelbäumen in der Erntezeit zu eigenem, erntefrischem Most.
Vom Unterengadin ins Münstertal und zurück tourt schon bald wieder die mobile Mosterei. So kommen Besitzer von Apfelbäumen in der Erntezeit zu eigenem, erntefrischem Most.
Kühl ist es an diesem Herbstmorgen, Nebelschwaden hängen um die Berggipfel oberhalb von Ramosch im Unterengadin. Es riecht nach Erde, altem Laub und warmen Äpfeln. Der Verein Mostaria Movibla hat seine mobile Mostpresse aufgestellt. Roger Janett und Thomas Niederheuser sind damit beschäftigt, die Anlage am Laufen zu halten: Da ein Ventil regulieren, dort Schaum abschöpfen, kurz das Laufband stoppen – es vergeht kaum eine Minute, in der die zwei Mostereimeister nicht gefordert sind. Das Team kann den Most jedes Kunden individuell verarbeiten und auch pasteurisieren. «Jeder darf so viel Obst bringen, wie er oder sie will», sagt Stephen Palmer. Er ist der dritte Mann im Mosterei-Team heute. «Die einen bringen knapp 80 Kilogramm, andere kommen mit 600.»
Einer von ihnen ist der Bergbauer Arthur Schweizer. Keine 100 Meter entfernt stehen seine Apfelbäume. Kiste um Kiste erntet er das Obst und bringt es zur Presse. «Die mobile Mosterei ist ein Glücksfall. Pro Saison erhalten wir dank ihr etwa 400 bis 600 Liter Most. Der ist so fein, dass wir den grössten Teil selbst trinken», sagt Arthur. Früher habe er nicht gewusst, wohin mit den vielen Äpfeln, denn lagern konnte er sie nur für kurze Zeit. Nach ihm mostet der Scuoler Hotelier Renato Vitali, sein Kombi war bis oben voll mit Äpfeln aus dem Hotelgarten. Nach Hause nimmt er etwa 400 Liter Most. «Diese werden wir den Gästen am Frühstücksbuffet anbieten», freut er sich. Die mobile Mosterei gibt es seit drei Jahren. Davor hatte eine soziale Institution in Scuol gemostet. Sie wollte die Aufgabe abgeben, da gründeten engagierte Bauern und Private einen Verein. «Wir beschlossen, die rund zehn Einsatztage mit einer mobilen Presse, montiert auf einem Anhänger, abzudecken. Denn es ist einfacher, wenn die Presse zu den Äpfeln kommt als umgekehrt», sagt Armon Mayer, Präsident und ebenfalls Besitzer von etlichen Obstbäumen. «Doch es gibt immer mehr Obst. Wir überlegen schon, was wir sonst noch aus den vielen Äpfeln im Tal produzieren könnten. Ideen gibt es einige».
Am Nachmittag, als der letzte Apfel gepresst ist, hat das Team 1550 Liter Saft produziert. Das bedeutet aber noch nicht das Ende der Arbeit. «Der mühsame Teil kommt leider noch», sagt Stephen Palmer. «Wir brauchen nur 45 Minuten, bis die Mosterei an einem neuen Standort bereit ist, aber 1,5 Stunden, um sie komplett zu reinigen. Das muss sein, weil Apfelreste sehr leicht gären und Leitungen verkleben». Erst wenn jede Chromstahloberfläche wieder tipptopp glänzt, fährt Stephen die Stützen hoch und den Anhänger ins Lager nach Scuol.