Aus Idealismus zum Hotelier

Aus Idealismus zum Hotelier

Familie Brog hat das Hotel Grimsel Passhöhe zu einem Ziel für Geniesser und Naturliebhaber gemacht.

Sieben Jahre lang war das Hotel Grimsel Passhöhe geschlossen. Jetzt erstrahlt es in neuem Glanz.

Wer dieses Jahr die Passstrasse über den Grimsel unter die Räder nimmt, den erwartet oben angekommen eine Überraschung. Auf der Passhöhe, wo in den vergangenen Jahren ein unansehnliches und verlottertes ehemaliges Hotel stand, ist neues Leben eingekehrt. Familie Brog aus Innertkirchen hat das Hotel Grimsel Passhöhe gekauft und saniert. Dass ein Hotel auf einem Alpenpass neu eröffnet wird, kommt nicht oft vor. Viel häufiger ist der Fall, dass alte Hotels für immer die Türen schliessen.

«Viele traditionsreiche Häuser an den Passstrassen mussten in den vergangenen Jahren zumachen, weil die Pächter oder Besitzer aufhörten und keine Nachfolger gefunden werden konnten», sagt Walter Brog. Er ist nicht nur Besitzer, Architekt und Bauleiter des neuen Hotels Grimsel Passhöhe, sondern seit zwölf Jahren auch Präsident der IG Schweizer Alpenpässe. «Die Herausforderung ist, den in den wenigen Sommermonaten erwirtschafteten Gewinn konsequent fürInvestitionen beiseitezulegen.» Diese lassen nie lange auf sich warten. Auf über 2000 Meter über Meer altern Gebäude und technische Einrichtungen viel rascher, durch grosse Schneemengen verursachte Schäden sind keine Seltenheit. Wieso hat er sich trotz all dieser Schwierigkeiten daran gewagt, das Hotel Grimsel Passhöhe zu neuem Leben zu erwecken? Aus Idealismus.

Das Projekt in Kürze

  • Hotel Grimsel Passhöhe
  • Renovation des Hotels
  • Guttannen/BE

Brog, der in Innertkirchen eine Firma besitzt, die Energiesysteme für SAC-Hütten entwickelt und installiert, fuhr eines Tages über den Grimselpass. Einmal mehr fuhr er am verlassenen Hotel vorbei, und einmal mehr versetzte ihm der Anblick der geschlossenen Fensterläden einen Stich ins Herz. Spontan entschied er, daran etwas zu ändern. Das Hotel entwickelte sich rasch zum Familienprojekt. Tochter Tamara, die soeben die Hotelfachschule absolviert hatte, wurde zur künftigen Betriebsleiterin erkoren, der Rest der Familie wird mithelfen, wann immer Not am Mann ist. Tamara Brog will ihr Hotel zu einem Ort machen, in dem man nicht nur Station macht, wenn man sowieso über denGrimsel fährt. Die Gäste sollen extra wegen des Hotels hierherkommen. Erreichen will sie das mit einem gehobenen Ambiente, mit sehr persönlichem Service und mit einer feinen, frischen Küche aus lokalen Zutaten.

Es scheint zu funktionieren: Diesen Sommer waren die 15 Zimmer bereits an mehreren Wochenenden ausgebucht. Ein besonderes Angebot kann Tamara ihren Gästen im Winter machen. Auch dann wird das Hotel für einige Wochen geöffnet sein. Erreichbar ist es nur zu Fuss. Nach einer rund zweistündigen Wanderung über den vom Hotel selbst präparierten Winterwanderweg werden die Gäste mit Ruhe pur und einem von jeglicher Lichtverschmutzung freien Sternenhimmel belohnt. Zur Finanzierung des neu sanierten Hotels hat Familie Brog die Haushaltskasse geplündert und auch Kapital der eigenen Firma verwendet. Ganz alleine ging es jedoch nicht. «Ohne Unterstützung der Berghilfe hätten wir uns zu stark verschulden müssen», sagt Walter Brog.

hotel-grimselpass.ch

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Manuel Kurth

Erschienen im September 2019