«Das ganze Projekt geht nur gemeinsam»

Daniel und Karin Ritler haben beim Bergsturz in Blatten ihren Hof verloren. Im Verlust sahen sie eine Chance auf einen Neustart – als Hoteliers. Bevor ihr kleines, individuell eingerichtetes Gasthaus «Zeitlos» im Dezember öffnen kann, sind sie als Bauleiter und Architekten voll gefordert. Daniel erzählt.

«Jetzt Mitte August, nach fünf Monaten Bauzeit, haben wir sieben der zehn Zimmer fast fertig. Die Wände sind gemacht, in drei Zimmern sind sogar schon die Böden verlegt. Gerade hatten wir auch noch die Sitzung für das Schliesssystem. Die Zimmer werden per digitalem Code zugänglich sein, ohne Karte oder Schlüssel. Das ist Teil unseres Konzeptes: Wir sind nicht mehr die Jüngsten und suchen intelligente Lösungen, die uns entlasten und uns mehr Zeit für die Gäste geben. Wir werden auch kein normales Restaurant öffnen, obwohl Karin als gelernte Köchin perfekt dafür gerüstet wäre. Es würde uns zu viel Energie kosten. Stattdessen wollen wir Tavolatas anbieten, oder auf Vorbestellung Nachtessen kochen.

Das Projekt in Kürze

  • Hotel
  • Totalsanierung
  • Ferden/VS

Hof und viel Land verloren

Beim Bergsturz wurden unsere Hofgebäude komplett zerstört. Nur ein kleines Stück Weide ist uns geblieben. Wir halten Schafe, drei Esel und ein Alpaka. Den Tieren selbst ist nichts passiert. Als wir nach dem Bergsturz über unsere Zukunft nachdachten, kam die Idee mit diesem Hotel auf. Unser Buchhalter sagte uns dann ziemlich direkt: ‹Ihr wisst schon, wie alt ihr seid?› Wir mussten lachen, denn mit 58 Jahren, bzw. Karins 57 Jahren, ja, da hätten wir auch einfach in die Frühpension gehen können. Für uns war das keine Option. Aber wir sind in einem Alter, wo so ein Neustart ein bisschen Mut braucht. Zugleich sind wir überzeugt, dass es das Hotel im Tal braucht, auch weil ja drei Hotels verschüttet wurden. Klar ist auch: Wir werden kaum im ordentlichen Pensionsalter aufhören zu arbeiten.

Solidarität spendet Energie

Das Hotel in Ferden war schon vor dem Felssturz geschlossen. Das Gebäude war älter, der Eigentümer hatte keine Energie mehr gehabt, es zu erneuern. Wir haben den Kauf bald nach dem Bergsturz beschlossen, lange bevor wir einen Businessplan hatten. Für uns und den Businessplaner war das eine enorme Herausforderung. Wir arbeiten gerne intuitiv, der Businessplaner sehr fakten- und zielorientiert. Es dauerte zwei Monate, bis wir den Plan im Kasten hatten. Das flösste uns Respekt ein, gab uns aber auch die Gewissheit, dass die Ziele erreichbar sind. Was uns Energie gibt, nach wie vor, ist all der Solidarität, die wir seit dem Bergsturz erfahren durften. Aus ganz Europa kamen Meldungen, Mails, Briefe, auch Einladungen. Es war gewaltig. Auch das Vertrauen der Spenderinnen und Spender der Berghilfe, die uns unterstützen, macht uns enorm dankbar.

Keine fixen Baupläne

Wir haben keinen Architekten, und Bauführung machen wir selbst. Das spart einerseits Kosten, aber vor allem ermöglicht es uns, auf unsere Art beim Umbau vorzugehen. Karin und ich, wir sind beide überzeugt: Das muss entstehen und wachsen. Wir haben keine fixen Pläne bereit, weder Böden noch Farben standen am Anfang fest. Das kommt Zimmer für Zimmer. Jedes wird ein anderes Thema haben, andere Farben, eventuell sogar andere Böden. Karin hat ein sehr gutes Gespür dafür und entscheidet vieles. Ich übernehme Administration, Bauleitung und Finanzierung. Ganz klar: Das Projekt geht nur gemeinsam.

Vorher war ich etwa 50 Prozent als Spengler angestellt, arbeitete im Winter noch als Skilehrer und wir führten einen Schafbetrieb. 1999 konnte ich einen zweiten Stall dazu pachten und die Herde vergrössern. Ich lernte zugleich viel über Direktvermarktung. Um 2005 kam ich mit Karin zusammen, sie ist gelernte Köchin. Sie brachte viele Ideen aus der Gastronomie ein. Eine Zeitlang bewirteten wir auf dem Hof regelmässig etwa acht Gäste auf Anmeldung. Seit 2017 hatten wir auch Übernachtungsgäste und von 2019 an führen wir den bedienten Kiosk beim Autoverlad an der Haltestelle Goppenstein. All das hat uns Erfahrung mit Gästen und viele Begegnungen ermöglicht. So ist die Idee, weg von der Landwirtschaft zu gehen und etwas ganz Neues im Tourismus aufzubauen, gar nicht so weit weg von unserem vorherigen Leben.»

Text: Alexandra Rozkosny
Bilder: Max Hugelshofer und Archiv Hotel Zeitlos

Erschienen im August 2026

Die Unterstützung

Um das neue Hotel entstehen zu lassen, investieren die Ritlers ihr gesamtes Startkapital, und unzählige Arbeitsstunden. Dennoch reicht es nicht ganz. Die Berghilfe unterstützt darum das Renovationsprojekt.
Die Schweizer Berghilfe leistet finanzielle Unterstützung, wenn das Geld nicht ausreicht, um ein zukunftsweisendes Projekt zu realisieren.