Der Laden gehört dem Dorf

Eine neu gegründete Genossenschaft bewahrte den Dorfladen in Bristen vor der Schliessung.

400 Menschen wohnen in Bristen im Maderanertal. Sie leben abgelegen, die Strasse runter nach Amsteg ist steil und eng. Umso wichtiger, dass Bristen noch ein richtiges Dorf ist. Mit Schule, Restaurants, Bank – und einem Dorfladen mit integrierter Poststelle. Es sah allerdings nicht immer so rosig aus. Als das Ehepaar, das 30 Jahre lang den Dorfladen geführt hat, ans Aufhören dachte, fand sich kein Nachfolger für das Geschäft. Die Einrichtung des Ladens war veraltet, und der Umsatz ging stetig zurück. Ein Dorf ohne Laden konnten sich aber viele Bristner nicht vorstellen. Sie taten sich zusammen, berieten, diskutierten, und gründeten schliesslich an einer Gemeindeversammlung die Genossenschaft Dorfladen Bristen. 80 Prozent aller Einwohner kauften Genossenschaftsscheine. «Dieses Bekenntnis zum Dorfladen hat uns Mut gemacht», sagt Peter Jauch, Präsident der Genossenschaft. Dass es mit einem einmaligen Beitrag allerdings nicht getan ist, das machte er an dieser Sitzung unmissverständlich klar. «Ich hielt den Leuten wohl eine ordentliche Moralpredigt», schmunzelt Jauch. Deren Inhalt: Man könne im Dorfladen nicht nur das einkaufen, was man beim Grosseinkauf im Tal unten vergessen habe. Wenn der Laden eine neue Chance erhalten solle, dann müsse er Kunden haben. Jauchs Rede verfehlte ihre Wirkung nicht: «Ich traf plötzlich Leute im Laden, die vorher nie hier eingekauft hatten», so Jauch.

Ein Problem blieb aber: Das meiste Geld der Genossenschaft wurde für die Übernahme des Lagers und der Ladeneinrichtung benötigt. Einige Neuanschaffungen wie ein neuer Eisschrank liessen sich nicht aufschieben. Doch für die Erneuerung reichte das Geld nicht mehr. Da fragten die Genossenschafter die Schweizer Berghilfe um Unterstützung an. So ist der Neustart gelungen. Jauch: «Die Umsätze sind sprunghaft angestiegen, der Laden läuft jetzt richtig gut.» Dies ist auch der Verdienst der neuen Geschäftsführerin. Heidi von Büren stammt nicht aus dem Tal, hat aber einen Bristner zum Freund und kannte deshalb das Dorf und seine Einwohner. «Es war keine leichte Entscheidung, meine sichere Stelle als stellvertretende Filialleiterin bei Coop aufzugeben und meinen Lebensmittelpunkt hier in dieses abgelegene Bergtal zu verlegen», sagt sie. Bisher hat sie es aber nicht bereut. Im Gegenteil: «Ich bin mit offenen Armen aufgenommen worden. Und die Arbeit ist sehr spannend, ich kann viele Ideen umsetzen, auch mal etwas ausprobieren.» Das tut sie denn auch: Frisches Gemüse gibt es jetzt offen, Fleisch und Käse in der Selbstbedienung. Der Laden ist heller, weniger vollgestopft, das Sortiment aber immer noch gleich breit. «Der Unterschied zu früher ist erstaunlich», sagt eine Kundin, die mit vollem Einkaufskorb an der Kasse steht. Ist sie auch Mitbesitzerin des Ladens? «Aber selbstverständlich!»

dorfladen-bristen.ch

Erschienen im November 2013

Das Projekt in Kürze

  • Dorfladen
  • Neuer Eisschrank
  • Bristen/UR