Der Traum vom eigenen «Gîte»

Pascal und Mary-Lise Taramarcaz kauften das alte Pfadiheim in La Garde, sanierten es und eröffneten kurz darauf ihr eigenes Gästehaus.

Die Idee wurde auf dem Töff geboren: Auf ihren ausgedehnten Touren in jüngeren Jahren übernachteten Pascal und Mary-Lise Taramarcaz jeweils in günstigen «Gîtes». Dort bekam man für wenig Geld ein Bett und beim gemeinsamen Abendessen am grossen Tisch gratis Tipps für die Weiterreise. «In der Schweiz gab es so etwas kaum», sagt Pascal Taramarcaz. «Über Jahre hinweg hatten wir deshalb die Idee im Hinterkopf, hier bei uns im Wallis selbst ein solches Angebot aufzubauen.» Günstige Übernachtungsmöglichkeiten sind in der Region am Grossen St. Bernhard dünn gesät. Als sie die Gelegenheit erhielten, das ehemalige Pfadiheim im Weiler La Garde, etwas ausserhalb von ihrem Wohnort Sembrancher, zu übernehmen, packten sie diese Chance. Das Haus war in einem schlechten Zustand. Mit viel Eigenleistung und der tatkräftigen Unterstützung von Freunden, seinem Vater und seinen beiden fast erwachsenen Kindern erneuerte Pascal in einer ersten Etappe die Küche und richtete vier achtplätzige Schlafsäle ein. Sogar die Betten darin hat er selbst gezimmert. Somit können die Taramarcaz seit dem vergangenen Sommer bereits wieder Gruppen unterbringen. Diese allein würden aber kaum für genügend Einnahmen sorgen. Bald werden deshalb auch Familien und Einzelreisende zu den Gästen zählen. Pascal und seine Helfer nehmen gerade die letzten Arbeiten an den vier neuen Zwei- und Vierbettzimmern in Angriff, die oberhalb des grossen Aufenthaltsraums entstehen. Auch wenn die Taramarcaz das meiste selbst machen und beispielsweise die alten Bodenbretter abschleifen, um sie nochmals verwenden zu können: Der Umbau ist teuer. Zu teuer für die Familie. Obschon Pascal und Mary-Lise ihre ganzen Ersparnisse in die Sanierung ihres «Gîte les 3 Collines» gesteckt haben, reichte das Geld einfach nicht ganz. Die Schweizer Berghilfe prüfte das Projekt und übernahm den fehlenden Betrag. «Diese Hilfe war für uns Gold wert. Alleine hätten wir es nicht geschafft», sagt Pascal. So aber kann der 51-Jährige einen weiteren Schritt in Richtung Selbstständigkeit machen: Er reduziert sein Pensum als Automechaniker in einer Garage in Martigny auf vorerst 70 Prozent. Eine weitere Senkung ist bereits geplant. Und irgendwann wollen Pascal und Mary-Lise ganz von ihrem Gîte leben können - in einigen Jahren, wenn auch der zweite Stock ausgebaut ist und sich die vielen Gäste am grossen Tisch den von Mary-Lise gekochten Znacht schmecken lassen. Pascal weiss, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist. Gemeinsam mit seiner Familie will er ihn Schritt für Schritt gehen.

Weitere Informationen unter: www.giteles3collines.ch

Erschienen im März 2012

Das Projekt in Kürze

  • La Garde/VS