Die Zukunft kommt auf Raupen

Dank einer Occasions-Pistenmaschine kann die Luftseilbahngenossenschaft beim Arnisee ob Intschi im Urner Reusstal Winterwanderwege präparieren.

Der Begriff Sonnenterrasse kommt zwar in jedem zweiten Tourismusprospekt vor, für die Gegend rund um den Arnisee passt er allerdings perfekt. Wenn man in Intschi, im schattigen und engen Reusstal, eingezwängt zwischen Autobahn und steilen Felswänden, in die Luftseilbahn Intschi-Arnisee einsteigt, dann ist man auf dem Weg in eine andere Welt. 713 Höhenmeter weiter oben ist die Landschaft offen. Wenn sich die Sonne zeigt, scheint sie auf den gefrorenen Arnisee, auf das gemütliche Bergrestaurant Alpenblick – und seit vergangenem Winter auch auf einen schön präparierten Winterwanderweg.

Bislang war der Arnisee vor allem im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel. Die Schneeschuhläufer, welche die Gegend schon vor einigen Jahren für sich entdeckt hatten, sorgten im Winter für gerade mal 20 Prozent des Jahresumsatzes. Der kleine Gewinn, den die Genossenschaft im Sommer erzielen konnte, wurde im Winter jeweils fast wieder aufgebraucht. Die Genossenschafter der Luftseilbahngenossenschaft Intschi-Arnisee mussten sich entscheiden, ob sie den Betrieb im Winter einstellen sollten. Dies hätte allerdings negative Folgen gehabt. Für eine Bauernfamilie ist die Seilbahn der einzige Zugang zu ihrem oberen Heimet bei der Mittelstation, und eine Schliessung im Winter würde auch das Bergrestaurant Alpenblick treffen, das dann für die Saison zumachen müsste, und dem Pächterehepaar nicht mehr das ganze Jahr über ein Einkommen bieten würde. Das wollten die Genossenschafter nicht in Kauf nehmen. Stattdessen hielten sie nach Möglichkeiten Ausschau, um im Winter mehr Gäste auf den Arni zu bringen. Die Lösung fanden sie in Gestalt eines gebrauchten Kässbohrer Pistenbullys aus den 1980er-Jahren. Das kleine Pistenfahrzeug war perfekt geeignet, um rund um den Arnisee einen Winterwanderweg zu präparieren, und so die schöne Landschaft nicht nur den Schneeschuhläufern, sondern auch Spaziergängern zugänglich zu machen. Die Genossenschaft kratzte ihre gesamten Reserven zusammen, konnte sich das Fahrzeug aber trotzdem nicht leisten. Erst, als die Schweizer Berghilfe ihre Unterstützung zusicherte, war der wichtige Kauf möglich. Inzwischen blickt Sepp Inderkum von der Luftseilbahngenossenschaft auf die erste Wintersaison mit dem Pistenbully zurück. Er hat die Maschine beschafft und ist einer von drei Fahrern. Manche Stunde ist er im vergangenen Winter hinter dem Steuer des Pistenbullys gesessen und hat den drei Kilometer langen Winterwanderweg präpariert. «Die Maschine hat genau die richtige Grösse», sagt er. Sie ist wendig, verbraucht nicht allzu viel Diesel, ist aber doch schwer genug, um einen genügend harten Weg zu planieren. Die Reaktionen der Besucher auf das neue Angebot sind erfreulich. «Die meisten sind begeistert und wollen wiederkommen», sagt Jules Christen, Präsident der Genossenschaft.

Erschienen im November 2013

Das Projekt in Kürze

  • Intschi/UR