Dorfbewohner packen an

Aus dem ehemaligen Schulhaus in Chandonne im Wallis wurde ein Ort für Ausstellungen, Feste und Veranstaltungen. Geplant ist zudem eine Gästeunterkunft.

Die Bewohner des Unterwalliser Dorfs Chandonne wissen, wie man alten Gemäuern neues Leben einhaucht. Schon die alte Dorfbackstube den Four banal haben sie selber restauriert. Auch der Umbau der Schule in ein Haus für die Gemeinschaft ist breit abgestützt: «Mehr als die Hälfte der 120 Dorfbewohner macht mit», freut sich Charly Darbellay, Vorstandsmitglied des initiativen Vereins Chandonne Notre Village.

Am Wanderweg zum Hospiz des Grossen Sankt Bernhard liegt Chandonne. Majestätische Gipfel wie der Mont Vélan blicken auf das kleine Bergdorf hinab. Auf den Terrassenfeldern pflanzten die Bauern früher Roggen und nahrhafte Saubohnen an. Doch der fruchtbare Boden konnte die Abwanderung nicht stoppen. Anfangs der 1980er-Jahre liess sich keine Schulklasse mehr bilden, die Schule wurde geschlossen. Fast 30 Jahre lang stand sie verwaist zwischen den alten Kornspeichern, Wohnhäusern und der Kapelle. Auch die Molkerei im Erdgeschoss war aufgegeben worden. Doch dann fassten sich die Dorfbewohner darunter auch neu zugezogene ein Herz: 2007 gründeten sie den Verein «Chandonne Notre Village». Bald war die Idee geboren, die Schule aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken, um daraus einen Treffpunkt zu machen. «Mehr als die Hälfte der 120 Dorfbewohner macht mit», freut sich Charly Darbellay, der als Vereinsvize amtet. «Einige haben hier schon die Schulbank gedrückt. Aber auch jüngere Freiwillige packen tatkräftig mit an.»

Erst die Backstube, jetzt das «Dorfhaus»

Jung und Alt zwischen 16 und 86 Jahren sind jetzt mit vereinten Kräften am Werk: Das Dach ist bereits erneuert, die Fenster sind ersetzt. Gerade werden die Wände mit Holz verkleidet, später muss ein Holzofen eingebaut werden. Das bescheidene Vereinsbudget reichte jedoch für die nötigen Investitionen nicht aus. «Für die entscheidende Unterstützung der Schweizer Berghilfe sind wir deshalb sehr dankbar», betont Charly Darbellay. Sobald das alte Klassenzimmer im kommenden Frühling als «Maison du Village» wiedererwacht, werden Ausstellungen, Feste und Versammlungen es mit Leben füllen. Daran zweifelt hier niemand wieso auch? Schon bei der Instandstellung des «Four banal» haben die Dorfbewohner viel Elan an den Tag gelegt: In dieser traditionellen Gemeinschafts-Backstube wird seither mehrmals im Jahr derart tüchtig eingeheizt, dass die gebackenen Roggenbrote für alle reichen. Auch im Erdgeschoss des alten Schulhauses will die gastfreundliche Dorfgemeinschaft weiter anpacken: Geplant ist eine Gruppenunterkunft für Wanderer, die dem Bergdorf neue Einkünfte bringen soll.

Erschienen im November 2010

Das Projekt in Kürze

  • Chandonne/VS