«Ein Fundament für die Zukunft»

Das Jugendhilfe-Netzwerk Integration organisiert Kindern und Jugendlichen ein Zuhause bei Bauernfamilien. Nun wurde ein Pavillon für die Tagesschule gebaut.

Das Projekt Jugendhilfe-Netzwerk Integration startete vor zehn Jahren und bringt jungen Menschen aus problembelastetem Umfeld neuen Halt und eine neue Perspektive. Die Betreuungsfamilie Bigler ist seit der Geburtsstunde des Jugendhilfe-Netzwerks vor zehn Jahren mit dabei. «Wir waren auf der Suche nach einem zweiten Standbein, weil unser Betrieb zu wenig abwarf. Gleichzeitig fühlten wir uns bereit und hatten genug Platz, um Kinder bei uns aufzunehmen», erzählt Toni Bigler. Die Herausforderung ist für alle Familienmitglieder, auch die drei eigenen Kinder, gross: «Es braucht Zeit, Geduld und Ausdauer», sagt Toni Bigler. Wie alle Pflegefamilien werden Biglers für ihre Betreuungsleistung entschädigt. «Das Projekt hat nachhaltige Arbeitsplätze in einer Region geschaffen, die stark vom Strukturwandel betroffen ist», bilanziert Urs Kaltenrieder von der Stiftung Integration Emmental, die das Projekt trägt. «Stabile Familienverhältnisse, der geregelte Tagesrhythmus auf dem Bauernhof, genügend Raum im und ums Bauernhaus sowie das Leben mit Tieren sind eine wertvolle Ressource auf dem Land», erklärt der Sozialpädagoge und Systemtherapeut.

Schulstunden nicht mehr in Containern

In den Bauernfamilien auf den weit verstreuten Emmentaler Höfen sind die Pflegekinder voll in das Alltagsleben integriert. Ein Teil der Kinder kann die öffentliche Schule besuchen, andere besuchen die interne Tagesschule, die allein rund zehn Voll- und Teilzeitarbeitsplätze bietet. Die interne Tagesschule war bisher in gemieteten Containern in Eggiwil untergebracht. Dieses Provisorium war auf Dauer unzumutbar. Um die Infrastruktur zu professionalisieren, nahm die Stiftung Integration Emmental den Bau eines funktionalen Pavillons an die Hand. Überzeugt von der Notwendigkeit des Vorhabens, beschloss die Schweizer Berghilfe, den Neubau zu unterstützen. Im Rahmen einer Firmenspende an die Schweizer Berghilfe trug auch die Swisscom Broadcast AG zum Gelingen bei. Nicht nur für den Jugendhilfe-Gesamtleiter Urs Kaltenrieder bedeutet das neue Schul- und Bürogebäude in Eggiwil einen wichtigen Meilenstein. Auch die Betreuungsfamilie Bigler freut sich: «Es ist ein Fundament für die Zukunft», bringt es Toni Bigler auf den Punkt.

Fakten-Check

Mit Raphael Jaquet, Projektleiter Bildung, Schweizer Berghilfe

Was hat Sie persönlich an diesem Projekt überzeugt?

Raphael Jaquet: Die Stiftung Integration war bereits vor dem Neubau in der Region integriert und akzeptiert. Die Nachfrage nach einem Ausbau war nachgewiesen. Da war der Bau des Schul- und Verwaltungsgebäudes der logische Entwicklungsschritt.

Welches waren die grössten Hindernisse, welche die Projektträger bei der Umsetzung dieses Projekts überwinden mussten?

Ein solches Projekt steht und fällt mit der Akzeptanz in der Bevölkerung. Da wurde während mehr als zehn Jahren gute Vorarbeit geleistet. Ausserdem wurde die Öffentlichkeit von Anfang an in regelmässigen Abständen transparent über das Projekt und seine Entwicklung informiert.

Wie setzte sich die Finanzierung des Projekts zusammen?

  • Investitionskredit: 26 Prozent
  • Hypothek: 13 Prozent
  • Darlehen: 16 Prozent
  • Eigene Barmittel: 3 Prozent
  • Schenkung Bauland: 6 Prozent
  • A-fonds-perdu-Beiträge Dritter: 4 Prozent
  • Beitrag Schweizer Berghilfe: 32 Prozent

**Läuft der Betrieb heute so wie vorgesehen?**

Dank des konsequent angewendeten Ansatzes der Gemeindeverträglichkeit (Platzierungen nur in Partnergemeinden, Sicherstellen der Schulverträglichkeit, transparente Information der Öffentlichkeit, Fokus auf Qualität anstatt Quantität) erfreut sich das Jugendhilfe-Netzwerk Integration heute bei Behörden und Öffentlichkeit einer hohen Anerkennung.

Erschienen im November 2009

Das Projekt in Kürze

  • Eggiwil/BE