Ein neues Zuhause für die Kühe

Ein neues Zuhause für die Kühe

Auch im Kanton Zürich gibt es Berggebiete – und Bergbauern wie Familie Huber.

Endlich ist es soweit: Die Kühe der Bauernfamilie Huber aus dem Tösstal können in ihren neuen Laufstall einziehen. Hubers haben einen unglaublich strengen Sommer hinter sich.

Vor 22 Uhr war Roman Hubers Arbeitstag selten zu Ende diesen Sommer. Tagsüber arbeitete er auf der Baustelle des neuen Laufstalls mit, und wenn die Bauarbeiter Feierabend machten, dann erledigte er die Arbeit auf dem Hof, die während des Tages liegengeblieben war. Dem Rest der Familie ging es nicht besser. Die drei Töchter packten mit an, wenn immer es Lehre und Arbeit ermöglichten, und auch der 9-jährige Nachzügler Cyrill war in jeder freien Minute auf der Baustelle. Mutter Simone hielt die ganze Familie zusammen, sorgte ganz nebenbei für das leibliche Wohl der Arbeiter und der freiwilligen Helfer aus Verwandtschaft und Freundeskreis. Am Mittagstisch sassen nicht selten 15 Leute, und an heissen Tagen wurden die Getränkeflaschen fast schneller geleert, als Simone Nachschub anschleppen konnte.

Doch nun ist diese strenge Zeit vorbei. In den nächsten Tagen werden die Kühe in ihren neuen Laufstall einziehen können. Für Hubers ist der Stall ein unverzichtbares Puzzleteil für den Erfolg ihres Bergbauernbetriebs. 2009 haben ihn Hubers übernommen, davor führten sie einen Bauernhof im Flachland, in Altikon an der Thur. «Es war schon eine Umstellung, ins Tösstal in die Berge zu ziehen», erinnert sich Roman. Und auch heute hat er beim Arbeiten mit Maschinen noch Respekt vor dem steilen Gelände. Doch Hubers haben den Schritt nie bereut. Gemeinsam brachten sie den neuen Hof auf Vordermann, verbesserten dies und das. Für Roman war klar: Wenn er den Viehbestand von 21 auf rund 40 Milchkühe aufstocken könnte, dann wäre der Betrieb fit für die Zukunft. Dazu gehörte jedoch auch ein neuer Stall.

Das Projekt in Kürze

  • Bergbauernfamilie
  • Neubau Laufstall
  • Wila/ZH

Zürcher Berggebiet

Die alten, verstreut liegenden Anbindeställe waren nicht nur zu klein, die Arbeit dort war auch aufwändig und ineffizient. Doch obschon Hubers all ihr Geld zusammenkratzten war für den Stallneubau nicht mehr genügend Geld vorhanden. Nun kam es ihnen zu Gute, dass sie die angenehm flachen Äcker an der Thur hinter sich gelassen hatten. Denn der neue Betrieb, in der Nähe von Wila im Tösstal, liegt im Berggebiet. Und für die Bewohner des Berggebiets gibt es die Schweizer Berghilfe. Hubers fragten bei der Stiftung um Unterstützung an, und bekamen bald darauf auch schon die Zusage. Der ehrenamtliche Experte Martin Reich erklärt: «Die Schwierigkeiten und wirtschaftlichen Nachteile sind im Zürcher Berggebiet die gleichen wie anderswo in den Bergen. Nämlich längere Wege, höhere Baukosten, aufwändigere Produktion und Vermarktung und mehr Handarbeit bei der Bewirtschaftung der steilen Wiesen.»

Text und Bilder: Max Hugelshofer

Erschienen im Dezember 2015