Gemütlichkeit am Fusse des Mont Blanc

Eine Unterkunft so schön, dass man am liebsten immer drinnen bleiben würde. Das haben Tania und Bertrand Savioz aus einem alten Kornspeicher gemacht, der in ihrem Garten stand.

Von Trient haben wahrscheinlich die meisten Schweizerinnen und Schweizer noch nie etwas gehört. Das Dorf liegt im Unterwallis, ennet dem Col de la Forclaz, und nach Martigny reist man nicht weniger lang als nach Chamonix. Aus dem französischen Nobel-Skiort stammt Tania Savioz ursprünglich. Als sie ihren Mann Bertrand kennenlernte, zog sie erst zu ihm in die Nähe von Martigny. Doch ihre gemeinsame Liebe für die Berge brachte die beiden bald dazu, sich nach einem etwas höher gelegenen Daheim umzuschauen. Fündig wurden sie in Trient, ziemlich genau in der Mitte zwischen ihren Heimatorten.

Von dort aus pendelt Bertrand nun schon seit fast 20 Jahren zur Arbeit ins Tal hinunter, Tania hat eine Teilzeitstelle beim örtlichen Wasserkraftwerk. Die beiden Töchter im Teenageralter sind sowieso hier zu Hause, aber auch Tania und Bertrand haben sich voll ins Dorfleben integriert. Bertrand ist seit einigen Jahren sogar Gemeindepräsident von Trient. In dieser Funktion wurde er auf die Problematik aufmerksam, dass im Dorf zu wenige Übernachtungsplätze angeboten werden. Denn so abgelegen Trient auch sein mag, für eine bestimmte Gruppe von Touristen liegt es quasi am Weg: Für all die Wanderer und Alpinisten, welche die zehntätige «Tour du Mont Blanc» absolvieren, die über rund 170 Kilometer und gut 10 000 Höhenmeter rund um den höchsten Berg der Alpen führt. Das sind mehrere Zehntausend pro Jahr, und viele von ihnen wollen nicht im Zelt übernachten.

Als Bertrand Tania nach einer Gemeinderatssitzung von dem Problem erzählte, meinte sie: «Was ist mit dem alten Raccard bei uns im Garten? Da könnten wir doch eine Unterkunft draus machen.» Der Raccard, das ist ein jahrhundertealter Getreidespeicher, der beim Kauf des Wohnhauses mit dabei war, aber seither nie richtig genutzt wurde. Was zuerst im Scherz gemeint war, entwickelte sich bald zum ernsthaften Projekt der ganzen Familie. «Gemeinsam malten wir uns aus, wie unser neues Chambre d’hotes aussehen sollte, zeichneten Pläne, holten Offerten ein.»

Das Projekt in Kürze

  • Gastgeber-Familie
  • Unterkunft in altem Getreidespeicher
  • Trient/VS

Mit Liebe fürs Detail

Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Das «Abri’cottage», wie Savioz’ ihr Bijou nennen, besteht aus zwei Teilen. Im alten Speicher ist das Hauptschlafzimmer untergebracht, Küche, Stube, Bad und ein weiteres Schlafzimmer sind in einem neu erstellten Anbau. Alles ist mit einem Blick fürs Detail gebaut und sehr liebevoll eingerichtet und dekoriert. Eigentlich viel zu schön für eine kurze Übernachtung zwischen zwei Wanderetappen. «Unsere Gästeschaft ist komplett anders als wir uns das ursprünglich vorgestellt hatten», erzählt Tania. Es sind nicht Weitwanderer, sondern vor allem Ruhesuchende, die hier Unterschlupf finden – und
gerne auch mal eine Woche am Stück bleiben.

Seit gut einem Jahr haben Savioz’ ihr Angebot auf den einschlägigen Buchungsplattformen und ihrer eigenen Website aufgeschaltet. Von Anfang an war das «Abri’cottage» fast durchgehend belegt. «Es ist schön, Kontakt mit Leuten aus der ganzen
Schweiz zu haben», sagt Tania. Auch die Begeisterung ihrer Gäste macht ihr Spass. Die ist so gross, dass viele schon vor der Abreise einen weiteren Aufenthalt buchen.

abri-cottage.ch

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im September 2021
Die Unterstützung
Beim Ausbau des alten Getreidespeichers hat die ganze Familie Hand angelegt und all ihr Erspartes in das Projekt gesteckt. Gereicht hat es aber erst, als die Berghilfe ihre Unterstützung zugesagt hat.