«Grande Passione» für Grautiere

Silvana Caprara führt in Biasca den Hof mit den meisten Eseln im Tessin. Dringend nötig wurde der Bau eines neuen Schuppens für die Maschinen.

Die 53-jährige Silvana Caprara hat 1994 zusammen mit ihrem Mann Mariano mit der Tierhaltung begonnen. Der Büroarbeit überdrüssig, entdeckte die gelernte Kauffrau ihre Liebe zur Landwirtschaft. Auf dem kleinen Hof ihrer Schwiegereltern fing sie mit der Zucht von Pferden an. Bald kamen Esel und weitere Tiere hinzu. Heute halten Capraras 64 Esel, 7 Pferde, 10 Ziegen und 25 Hühner. Aus einem Nebenerwerbsbetrieb wurde dank der steigenden Nachfrage nach Eseln und Pferden ein Hof mit Potenzial. Wächst dieser noch weiter, wird Mariano Caprana bald seinen Job an den Nagel hängen und voll im Betrieb mithelfen.

Silvana Caprara hat den Betrieb mit viel Leidenschaft «grande passione», wie sie betont aufgebaut: «Meine Esel sind für mich wie Kinder.» Ihre Begeisterung ist gut zu spüren. «Esel sind sehr feinfühlig und haben einen ausgeprägten Familiensinn. Wenn eine Stute ein Junges auf die Welt bringt, bilden die anderen Esel einen Kreis, um sie zu schützen.»

Grautiere helfen, die Alpen zu nutzen

Die landwirtschaftlichen Einnahmen des Ehepaars stammen aus der Esel- und Pferdezucht sowie dem Verkauf der Ziegen. Der Esel erfreut sich in der Alpwirtschaft im Tessin wachsender Beliebtheit. Die Tiere von Silvana Caprara verbringen den Sommer auf verschiedenen Alpen im ganzen Kanton. Immer mehr Hirten sind daran interessiert, Esel zu sömmern, übernehmen diese doch eine wichtige Aufgabe: Die gefrässigen Grautiere säubern verwildertes Land von Disteln, Farn und weiterem Gewächs. So werden die Bergweiden für die Nutzung durch Rinder, Schafe oder Ziegen erhalten. Zudem finden sich die Esel auch im unwegsamen Gelände zurecht und werden als Wächter von Herden eingesetzt. Vor Gefahr warnen sie die anderen Tiere, weit bevor diese den Ernst der Lage bemerken. Im Südkanton kann dank der «Säuberungsarbeit» der Esel wertvolles Kulturland erhalten werden. «Viele junge Tessiner entdecken den Wert der Alpwirtschaft neu und nutzen brach liegendes Land wieder», sagt Ulrich Lobsiger, ehrenamtlicher Experte der Schweizer Berghilfe. Von der Landschaftspflege profitiert auch der für das Tessin wichtige Tourismus, indem das Berggebiet für Wanderer zugänglich und attraktiv bleibt.

Maschinen vor dem Verrosten retten

Im Jahr 2007 haben Capraras ein Wohnhaus gebaut, nachdem sie vorher in einer Mietwohnung im fast zwei Kilometer entfernten Dorf gelebt hatten zu weit weg für eine optimale Tierpflege. Nun kann Silvana Caprara die Tiere rund um die Uhr betreuen. Das Haus finanzierte das Ehepaar aus eigenen Mitteln. Das Geld reichte aber nicht mehr für den Bau des dringend benötigten Schuppens. Damit die Maschinen nicht im Freien stehen und Schaden nehmen, wird mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe ein Unterstand gebaut. So sind die Maschinen geschützt, und der Betrieb steht weiterhin auf einem soliden Fundament. Der Hof der Capraras ist eine kleine Attraktion: «Esel sind bei Jung und Alt sehr beliebt», sagt die Bäuerin. Deshalb kommen Spaziergänger und Schulklassen gerne zur Besichtigung vorbei. Und die Neffen von Silvana Caprara helfen gerne auf dem Hof mit. Vielleicht übernimmt einer von ihnen sogar einmal den Betrieb.

Erschienen im März 2008

Das Projekt in Kürze

  • Biasca /TI
Die Schweizer Berghilfe leistet finanzielle Unterstützung, wenn das Geld nicht ausreicht, um ein zukunftsweisendes Projekt zu realisieren.