Holz stemmen ist Vergangenheit
Zehn Jahre schuftete Samuel Bernard in seiner Sägerei viel von Hand, dann packte er allen Mut zusammen und schaffte Hightech-Maschinen an. Seither hat er viel weniger Personalwechsel.
Zehn Jahre schuftete Samuel Bernard in seiner Sägerei viel von Hand, dann packte er allen Mut zusammen und schaffte Hightech-Maschinen an. Seither hat er viel weniger Personalwechsel.
Die Bandsäge fräst sich durch einen Baumstamm, ein ohrenbetäubendes Kreischen erfüllt die grosse Halle. Gleich bei der Säge steht eine kleine Kabine. Drinnen ist es fast still. Vier Monitore zeigen das Geschehen auf dem ganzen Gelände. Routiniert drückt Yves Bernard links von sich einige Knöpfe, auf dem Bildschirm vor ihm erscheinen fünf dünne, gelbe Linien auf dem Ende des Baumstamms. Mit einem Joystick und einigen Klicks dreht er den Stamm noch etwas, dann drückt der 53-Jährige «Start». Die nächsten drei, vier Minuten übernimmt der Computer. Schnitt um Schnitt fallen zuerst die Ränder links nach der Bandsäge hinunter in eine Mulde. Dann landet Brett um Brett auf dem Rollband, welches das Holz rechts hoch in eine zweite Halle transportiert. Dort wird ein Mitarbeiter mit einem Saugkran das zwischen 10 und 200 kg schwere Holzstück hochheben und sauber stapeln.
«Täglich sägen wir eine LKW-Ladung Rundholz. „Das schaffen wir nur dank Automatisierung und modernsten Maschinen», erklärt Yves Bernard. «Früher erledigen wir einen Grossteil der Arbeit manuell, sodass wir nicht das Tempo erreichen konnten, die wir heute haben. Vorgestern etwa hat eine Firma Holz für einen Bau bestellt. Morgen muss die Lieferung bereit sein.» Dank der Investitionen kann das Unternehmen heute auch auf Last-Minute-Bestellungen reagieren. Das werde laut Yves Bernard von den Kunden sehr geschätzt. Da knackt es kurz in einem Lautsprecher, ein Mitarbeiter fragt durch sein Headset, wohin er mit dem fertigen Bretterstapel soll. Yves Bernard schnappt sich das Gegensprechgerät und antwortet. Vier bis fünf Männer arbeiten in der weitläufigen Sägerei. Müssten sie ständig zueinander gehen, um sich zu verständigen, ginge sehr viel wertvolle Zeit verloren. Auch die Headsets: eine Investition in die Effizienz.
Yves Bernard – eigentlich gelernter Landwirt und fasziniert vom Holz – hatte vor über 25 Jahren die insolvente Sägerei gekauft. In den ersten zehn Jahren arbeitete er mit alten Maschinen. Die Mitarbeiter mussten Bretter von Hand stapeln. Als dem Sägereibesitzer wieder einer wegen Rückenschmerzen kündigte und Yves Bernard selbst schleppen musste, war klar: Das musste sich ändern. Er investierte in eine moderne Bandsäge, eine neue Lagerhalle samt Hebekran – und zuletzt mit Unterstützung der Berghilfe zwei gedeckte Unterstände mit einer grossen Solaranlage. «Mein Ziel war es immer, effizient aber auch möglichst ökologisch zu arbeiten», erklärt der Sägereibesitzer, «unser Holz stammt aus einem Umkreis von maximal 50 Kilometern, es wird bei uns verarbeitet und auch in der Region verkauft.» Dazu gehören auch die Holzabfälle: Sägemehl wird zu Pellets verarbeitet, Holzschnitzel verkauft die Sägerei an Fernwärmeanlagen oder Private. Mit einem Teil heizt sie auch gleich eigene Gebäude und die Holz-Trocknungsanlage.
Die Sägerei ist für Yves weit mehr als ein Job: «Weil wir ein eher kleiner Betrieb sind und wir jeden Stamm einzeln bearbeiten, sehen wir sofort, für was sich das Holz eignet. Mal taugt es eher für grobe Planken, mal für schöne Bretter. So können wir dank individueller Bearbeitung unseren Kunden eine viel höhere Qualität bieten.» Diese Leidenschaft gibt er wo immer möglich weiter. Zuletzt an den Tagen des Schweizer Holzes im September 2025, an denen er gleich das 25-jährige Firmenjubiläum feierte: Mehr als 400 Interessierte besuchten seinen Betrieb an dem Wochenende. Vielleicht war darunter auch der nächste Lehrling.