Käthys Backstube im alten Kuhstall

Käthys Backstube im alten Kuhstall

Um als Nebenerwerb auf Backwaren zu setzen, war das Enrichten einer Backstube im alten Stall für Käthy Buol aus Gadenstätt unumgänglich.

Wo früher ein Kuhstall war, befindet sich heute eine zweckmässig eingerichtete Backstube. Die gelernte Bäckerin-Konditorin Käthy Buol kann damit ihr Talent voll zur Geltung bringen und einen immer wichtigeren Anteil zum Auskommen der Bergbauernfamilie beitragen.

Was Käthy Buol aus den beiden Backöfen in ihrem abgelegenen Heim in Gadenstätt/GR hervorzaubert, findet seinen Weg direkt auf den Marktstand im nahen Klosters oder aber in einen «Scarnuz Grischun»: Der braune Papiersack mit allerlei regionalen Spezialitäten reich gefüllt ist ein Renner. «Die Nachfrage nach den Scarnuz hält mich auf Trab», meint die gelernte Bäckerin-Konditorin. «Inzwischen lastet mich das Backen im Schnitt zu 70 Prozent aus.» Vor allem im Winter, wenn Ehemann Martin von früh bis spät im Skigebiet Parsenn arbeitet, rufen zuhause mehrere Pflichten gleichzeitig: Die Kühe wollen dann versorgt sein, während im Ofen die Totenbeinli oder das Birnbrot ein wachsames Auge erfordern. Bereits 15 Winter sind so vergangen. In dieser Zeit ist Käthy Buols Beitrag ans Einkommen stetig gewachsen, doch backen musste sie in der Küche des Bauernhauses, was zu Problemen führte. «Kochen war mitten in der Spezialitäten-Produktion manchmal unmöglich», blickt Martin Buol auf die schwierige Zeit zurück. «Die Wohnqualität war stark beeinträchtigt, weil wir die fertigen Produkte in der Wohnstube lagern mussten und deshalb nicht heizen durften und kaum mehr Platz hatten.»

Die Lösung der Probleme schien gefunden, als sich Buols daran machten, den lange ersehnten Umbau des Kuhstalls anzugehen. Dieser stand seit 2003 leer, als man sich entschied, von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung umzustellen. Doch die wirtschaftlichen Sorgen blieben, das Backen war zur Sicherung der Existenz unverzichtbar geworden. «Trotz der Engpässe haben wir über viele Jahre immer wieder ein wenig Geld zur Seite gelegt», sagt Käthy Buol, «wir wollten die Backstube unbedingt selber finanzieren.» Doch dann kam den initiativen Bergbauern Unvorhergesehenes in die Quere: Im Frühling 2009 gab der Handmäher, der bei der Nutzung des steilen Fleckens eine wichtige Rolle spielt, den Geist auf. «Später stellte sich auch noch heraus, dass die Dielen über dem alten Kuhstall ersetzt werden mussten», erzählt Martin Buol. Es brauchte für Buols zuerst etwas Überwindung, um Unterstützung zu bitten. Umso grösser ist jetzt die Erleichterung. «Wir sind der Berghilfe enorm dankbar», sagen die Eheleute übereinstimmend, und Käthy Buol ergänzt: «Das Tüpfchen auf dem i war, dass ich dank der schnellen und unkomplizierten Hilfe für das Weihnachtsgeschäft gerüstet war.»

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im November 2010

Das Projekt in Kürze

  • Bäuerin
  • Backstube
  • Gadenstätt/GR