Kein Tunnelblick

Fast ihr komplettes bisheriges Leben verbrachte Deborah Schneider als Nomadin auf der ganzen Welt. Sesshaft geworden ist sie in einem kleinen Weiler im Jura. Hier hilft nun ausgerechnet ein mobiles Konstrukt auf Rädern, die Zukunft des kleinen Gemeinschaftsbetriebs zu sichern.

«Eigentlich haben wir einfach bei einem handelsüblichen Pflanztunnel kleine Räder unten dranmontiert. So können wir den Tunnel aus Plastikfolie hin und her schieben, immer dorthin, wo unsere Pflanzen zusätzlichen Schutz oder mehr Wärme benötigen. Tönt einfach, oder? Ganz so simpel war es dann aber doch nicht. Besonders am Schienensystem, in dem die Rollen geführt sind, haben wir lange getüftelt. Es besteht aus alten Autobahn-Leitplanken, die wir günstig kaufen konnten.

Das Projekt in Kürze

  • Gemeinschafts-Bauernhof
  • Pflanztunnels
  • Essertfallon/JU

Wenn ich übrigens die ganze Zeit von ‹wir› rede, dann meine ich nicht immer die gleichen Leute. Unsere ‹Ferme du Clos Dedos› ist ein etwas unkonventionelles Gemeinschaftsprojekt. Der Hof gehört einer Stiftung, die sich für gemeinschaftliche und partizipative Landwirtschaft einsetzt, bewirtschaftet wird er von einer GmbH. Diese habe ich vor fünf Jahren mit zwei weiteren Frauen gegründet, und wir haben den ehemaligen Milchwirtschaftsbetrieb auf die vier Standbeine Schafzucht, Obstbau, Gemüseproduktion und das Backen von Brot umgestellt.

Die beiden anderen Gründerinnen sind vor kurzem aber weitergezogen, und ich mache die Arbeit vorübergehend zusammen mit Lye Pinho, die auch unserem Kollektiv angehört. Also natürlich mit Unterstützung. Wir haben immer wieder Freiwillige, und auch der Freundes- und Bekanntenkreis hilft mit. Aber es ist anstrengend. Vor allem mental, weil ich allein den Überblick behalten und an alles denken muss. Der Gemüseanbau fordert mich im Moment am stärksten. Ich bin fast immer im Garten unterhalb der ‹Ferme›.

Die Nachfrage ist da

Wir bauen möglichst viel unterschiedliches Gemüse an, um ein breites Angebot zusammenstellen zu können. Unsere Kunden sind Restaurants aus der Region, wir gehen aber auch auf den Markt in St-Ursanne. Und ab diesem Jahr bieten wir ein Gemüseabo an. Die Nachfrage ist da, denn hier am Doubs gibt es kaum Gemüseproduzenten. Das kommt nicht von ungefähr: Wir sind zwar lediglich auf 750 Meter über Meer gelegen, aber das Klima kann rau sein. Darum sind unsere Pflanzen hin und wieder auf Wetterschutz angewiesen.

Wir entschieden uns für die mit Plastikfolie bezogenen Pflanztunnels, auch weil sie relativ günstig sind. Ich wollte aber nicht, dass sie den Boden an einem Ort dauerhaft bedecken. Es tut der Erde gut, wenn sie den Elementen ausgesetzt ist. So kann sie sich regenerieren. Also suchten wir nach Möglichkeiten, die beiden Tunnels einfach verschieben zu können. Weil es nichts Entsprechendes zu kaufen gab, wurden wir halt kreativ.

Die Unterstützung

Die Schweizer Berghilfe unterstützte die «Ferme du Clos Dedos» beim Kauf der beiden mobilen Pflanztunnels.

Gemeinsam etwas aufbauen

Irgendwie passt es zu mir, dass die einzigen ‹Gebäude›, die ich je gekauft habe, auf Rädern stehen. Ich war schon mein ganzes Leben lang mobil, habe in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt gelebt, war auch mehrere Jahre lang mit dem Velo in Südamerika unterwegs. Dort habe ich immer wieder Station in kleinen Dörfern gemacht und auf den gemeinsam genutzten Feldern und Gärten mitgeholfen. So etwas wollte ich auch zurück in der Schweiz tun. Auf diese Weise bin ich in Essertfallon gelandet. Inzwischen bin ich hier richtig sesshaft geworden. Es ist schön, etwas aufzubauen und zu sehen, wie es sich entwickelt.»

essertfallon.ch

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im Juni 2026
Die Schweizer Berghilfe leistet finanzielle Unterstützung, wenn das Geld nicht ausreicht, um ein zukunftsweisendes Projekt zu realisieren.