Klein, aber fein

Klein, aber fein

Mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe konnte Familie Rüthemann aus Mosnang einen zweiten Unterstand im Stall sowie einen neuen Güllekasten bauen.

Ob mit Fell, Federn, Borsten oder Flossen – Rüthemanns aus Mosnang lieben ihre Tiere. Und sie sorgen dafür, dass es ihnen gut geht. Das neuste Bauprojekt auf dem kleinen Hof kommt den Kühen zugute.

Alles ist still. Zu hören ist nur das Plätschern des Wassers, das in Kunststoffröhren von einem der quadratischen Becken am Hang ins nächste fliesst. Bis Gerda Rüthemann eine Handvoll Futterpellets in eines der Becken wirft. Plötzlich schäumt das Wasser auf, es spritzt in alle Richtungen. Unter der Oberfläche sind nun viele dunkle Körper auszumachen, ab und zu blitzt ein heller Bauch auf. Es sind Regenbogenforellen, insgesamt etwa 3000 Stück in sieben Becken. Und sie haben Hunger.

Seit Othmar Rüthemann die Anlage vor einigen Jahren gebraucht gekauft hat, haben sich die Fische zu einem von vielen Standbeinen des kleinen Hofs entwickelt, der in einem Tobel unterhalb von Mosnang/SG liegt. Abnehmer sind Restaurants und Private. Rüthemanns haben noch nie auch nur einen Franken für Werbung ausgegeben. Dennoch können sie die Nachfrage bei Weitem nicht decken. «Aber mehr produzieren wollen wir nicht», sagt Othmar. Denn dann käme die eigene Quelle an den Anschlag, das Wasser müsste wieder hochgepumpt und mehrmals verwendet werden. Das würde die Kosten erhöhen und auch die Gefahr von Krankheiten. «Da bleiben wir lieber klein, dafür geht es den Tieren gut», sind sich Othmar und Gerda einig.

Dieses Motto gilt für den ganzen Hof. Neben den Fischen leben bei Rüthemanns ein gutes Dutzend Mutterkühe mit ihren Kälbern, der Stier, zehn Schweine, je nach Jahreszeit zwischen zehn und dreissig Truten sowie dreissig Legehennen. Wenn man in dieser Grössenordnung produziere, könne man zwar nicht das grosse Geld machen, so Othmar. Weil sie so breit abgestützt seien, könnten sie aber Schwankungen in den einzelnen Märkten problemlos abfangen. «Und ausserdem habe ich einfach gerne viele verschiedene Tiere um mich herum», ergänzt Gerda lachend.

Das Projekt in Kürze

  • Bauernfamilie
  • Neuer Stall
  • Mosnang/SG

Viele Pläne für die Zukunft

Bis jetzt sind Rüthemanns mit diesem Konzept gut gefahren. Probleme mit ihrem kleinen Betrieb bekommen sie nur, wenn Investitionen anstehen. So geschehen beim jüngsten Ausbau des Laufstalls. Der bisherige Stall entsprach zwar noch den Tierschutzvorschriften. Die Kühe hatten aber wenig Platz und mussten im Winter immer im Schatten des Stalls stehen. Um die Bedingungen für die Tiere zu verbessern, haben Rüthemanns einen zweiten kleinen Unterstand mit Liegeboxen und zwischen den beiden Ställen einen neuen Güllenkasten gebaut. Obschon Othmar sehr viel selbst machte und wenn immer möglich gebrauchtes Baumaterial einsetzte, reichten die eigenen Ersparnisse nicht aus. «Wir hätten ein neues Darlehen aufnehmen müssen und wären bei der Rückzahlung der bestehenden Schulden vom Bau unseres Wohnhauses im Jahr 1998 wieder um Jahre zurückgeworfen worden», sagt Othmar.

Also wendeten sich Rüthemanns an die Schweizer Berghilfe. Diese prüfte das Projekt und übernahm den fehlenden Betrag. «Dafür sind wir sehr dankbar. So bleibt der Betrieb auf einem gesunden Fundament», sagt Gerda. Sie und ihr Mann haben noch viele Ideen für die Zukunft des Hofs: «Ein Wasserrad am Bach zur Energiegewinnung wäre eine tolle Sache», schwärmt Othmar. Und Gerda ergänzt: «Ich hätte auch nichts dagegen, noch weitere Tierarten zu halten.» Othmar hat langfristig sogar vor, sein Teilzeitpensum als Lagerist im Nachbardorf abzubauen. Und auch für die Zeit nach ihrer Pensionierung müssen sich Rüthemanns keine Sorgen um die Zukunft ihres Hofs machen: Die vier Kinder im Alter von 17 bis 21 Jahren haben zwar alle einen nicht landwirtschaftlichen Beruf gelernt oder sind noch in der Lehre. Sie haben aber ihr Leben lang immer gerne mitgeholfen auf dem Betrieb und sind mit dem Hof sehr verbunden. Die drei Töchter sind sogar alle mit Bauernsöhnen zusammen. «Ich habe darum gar keine Angst, dass niemand Interesse am Betrieb haben könnte», sagt Othmar.

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im November 2012