Kleine Astronauten für Bienen
Mit drei Völkern hat es begonnen – heute produzieren Alessandro und Davide Bassi bei Cademario im Tessin rund eine Tonne Honig pro Jahr. Genauso wichtig ist den beiden, andere für die Imkerei zu begeistern.
Mit drei Völkern hat es begonnen – heute produzieren Alessandro und Davide Bassi bei Cademario im Tessin rund eine Tonne Honig pro Jahr. Genauso wichtig ist den beiden, andere für die Imkerei zu begeistern.
Ein lautes Summen erfüllt die Luft. «Heute sind die Bienen aber ziemlich sauer», sagt Davide Bassi mit ruhiger Stimme. Dennoch ist er völlig gelassen: Er steht in voller Schutzmontour hinter einer Reihe von Bienenkästen und sieht dabei ein bisschen aus wie ein Astronaut. Über ihm hängen an Ästen die Blüten von Robinien und Akazien, um ihn herum fliegen abertausende von Bienen. Sie steigen wütend auf und versuchen, den Störefried zu verjagen. Gerade hat der 23-Jährige einen der Kästen geöffnet und die erste Wabe herausgehoben. «Wir müssen kontrollieren, ob es allen Bienen gut geht. Aber den Regen der letzten Tage mochten die Bienen gar nicht. Und jetzt stören wir sie zusätzlich», erklärt der junge Imker. «Lieber hätten wir gewartet, aber das kurze Schönwetterfenster lässt uns keinen Spielraum.»
Alessandro Bassi hält zusammen mit seinem Sohn Davide etwa 80 Bienenvölker im Malcantone bei Lugano, verteilt auf sechs Standplätze. Vorsichtig heben die beiden Wabe um Wabe aus den Kästen, kontrollieren die angesammelte Honigmenge, schauen, wie es der Königin geht und schätzen die Grösse des Volkes ab. Trotz sparsamen Bewegungen tropfen ihnen unter den Anzügen bald die Schweissperlen von der Stirn. Die Luft ist schwülwarm und feucht – typisches Tessiner Wetter eben. «Jetzt im Frühling ist für die Bienen Hochsommer, jetzt holen sie den meisten Honig. Darum müssen wir etwa alle fünf Tage bei den Völkern vorbeischauen», sagt Davide. «Bald werden wir den ersten Honig schleudern können.»
Der noch junge Imkereibetrieb hat im vergangenen Jahr rund eine Tonne Honig ernten können. Eine beachtliche Menge dafür, dass die beiden den Honig praktisch manuell schleudern. Das meiste ging an Märkten in der Region über die Theke. Gestartet hatten Bassis vor acht Jahren mit drei Völkern. Wobei: Es war der damals 16-jährige Sohn, der den Anfang gemacht hatte. «Bei einem Imkerbesuch lernte ich die Honigbienen kennen – und wollte unbedingt selbst welche haben», sagt er. Er fand einen Standplatz und startete. «Durch die Bienen habe ich begonnen, die Natur ganz anders wahrzunehmen. Sie sind sozusagen meine Lupe. Ihretwegen achte ich mich viel mehr darauf, welche Pflanzen wo wann blühen. Überhaupt darauf, was in der Natur in jeder Jahreszeit von sich geht», schwärmt er.
Mit seiner Leidenschaft hat er bald auch den Vater angesteckt. Der übernimmt inzwischen etwas mehr Arbeit, da Davide mitten im Medizinstudium steckt. «Wir sind uns eigentlich in fast allem einig», sagt Alessandro, «ausser manchmal im Tempo. Davide will rasch vorwärts machen. Ich liebe es, zuerst einfach mal bei den Bienenstöcken anzukommen, den Tieren zuzusehen. Dann erkenne ich auch sofort, wie es ihnen geht.» Die Begeisterung für die Bienen wollen die beiden auch anderen weitergeben. Mit einem Schaukasten besuchen sie Schulen und versuchen, die Angst vor den stechenden Insekten abzubauen. «Die Bienen haben es hierzulande nicht einfach», erklärt Alessandro, «zwar finden sehr viele Menschen, dass die Bienen wichtig sind. Aber die wenigsten möchten in ihrer Nähe einen Bienenstock. Das wollen wir ändern.» Diesen Sommer nehmen sie dank neuer Schutzanzüge Schulkinder direkt zu den Bienenkästen mit. Damit diese kleinen «Astronauten» anderen von den bis dann hoffentlich etwas friedlicheren Bienen erzählen können.