Komplett unterschiedlich und doch gleich
Was haben die Neat und ein Goldvreneli gemeinsam? Beiden wurde ein Themenweg gewidmet, der eine spannende Geschichte vor dem Vergessen bewahrt und einer abgelegenen Region neue Impulse gibt.
Was haben die Neat und ein Goldvreneli gemeinsam? Beiden wurde ein Themenweg gewidmet, der eine spannende Geschichte vor dem Vergessen bewahrt und einer abgelegenen Region neue Impulse gibt.
«Es kann doch nicht sein, dass all dies einfach spurlos verschwindet», sagte sich Gelgia Deplaz. Sie war Gemeinderätin in Sedrun, und mit «all dies» meinte sie die Neat-Baustelle im Dorf. Die Neat, speziell der Gotthard-Basistunnel, prägte die obere Surselva während Jahrzehnten. Dies, weil dort der sogenannte Zugriffstollen entstand. Also ein Loch runter in den Berg, von wo aus sich die Tunnelbauer sowohl nach Süden als auch nach Norden zu den Teams vorarbeiteten, die in der Urner Reussebene und in Bodio im Tessin begonnen hatten. Für Sedrun und die umliegenden Dörfer bedeutete dies, dass ihre Bevölkerung massiv anstieg – und nach Ende der Bauarbeiten wieder zurückging.
Diese einschneidende Episode und auch all das Wissen und die spannenden Geschichten, die mit dem Tunnelbau ins Tal kamen, sollten nicht verschwinden, da waren viele im Tal Gelgias Meinung. Ein Verein wurde gegründet. Dort erhielt Gelgia unter anderem tatkräftige Unterstützung von Peter Koemeter. Der zugezogene ehemalige Unternehmer brachte das Wissen im Projektmanagement mit, um der eher vagen Idee eines Themenwegs Hand und Fuss zu geben. Seit drei Jahren ist der Weg nun in Betrieb, und die Besucherzahlen haben alle Erwartungen übertroffen. Gelgia, Peter und die weiteren Vorstandsmitglieder laufen den Weg regelmässig ab, um Broschüren aufzufüllen und zu kontrollieren, ob alles funktioniert. «Die Begegnungen dabei zeigen, dass das Thema die Leute packt», sagt Peter. Und vergessen wird die Neat in der Surselva so schnell nicht.
Im Gadmertal sieht es anders aus. Dort war eine spannende Geschichte bereits in Vergessenheit geraten. Nämlich, dass die Frau auf der Goldmünze «Goldvreneli» aus dem kleinen Bergdorf Gadmen stammt. Chrigel Krump, Schreiner aus Gadmen, hörte diese Geschichte von seiner Grossmutter am Küchentisch. Sie liess ihn nicht mehr los. Er holte den Historiker Raphael Germann ins Boot, der tatsächlich nach intensiven Recherchearbeiten herausfand, dass es sich bei der Frau auf der Goldmünze mit grösster Wahrscheinlichkeit um Rosa Tännler handelt.
Damit die Geschichte nicht wieder in irgendwelchen Archiven und Bücherregalen verstaubt, wurde zu Ehren von Rosa in Gadmen ein drei Kilometer langer Themenweg geschaffen – der Goldvreneliweg. Bei neun Stationen erfährt man vieles über Rosa Tännler. Über ihr Leben in Gadmen, wie ihr Gesicht auf das Goldvreneli kam, wie sie davonzog und wieder in ihre Heimat zurückkehrte.