Mehr Käse, mehr Schau

Die Schaukäserei Schwägalp hatte im Sommer grosse Produktionsengpässe. Dank einem zweiten Kessi konnten diese entschärft werden.

Ein strahlend schöner Sonntag im Frühsommer auf der Schwägalp: Die vielen Parkplätze sind fast alle belegt, Wanderer, Gleitschirmflieger, japanische Touristen und Ausflügler-Familien geniessen auf ihre Weise die Natur rund um den Säntis herum. Aber auch im Verkaufsraum der Schaukäserei Schwägalp ist viel los. Während sich ein Vater frischen Alpbutter und gereiften Alpkäse vom vorigen Sommer einpacken lässt, schauen seine Kinder fasziniert durch eine Glasscheibe auf das grosse Kessi hinunter, wo sich 5000 Liter Milch gerade unter hypnotisch-gleichmässigem Rühren in besten Käse verwandeln.

An Tagen wie diesem geht eine grosse Menge Käse über den Tresen. «Die Direktverkäufe an Touristen machen einen schönen Teil unseres Umsatzes aus», sagt Fritz Nef, Geschäftsführer der Genossenschaft Alpschaukäserei Schwägalp. Zu verdanken hat die Genossenschaft dies in erster Linie der idealen Lage, direkt gegenüber der Talstation der Schwebebahn. Wegen der vielen Touristen wurde die Käserei in den 1990er Jahren auch ganz oben auf der Schwägalp errichtet und nicht zentraler gelegen am unteren Ende des Sömmerungsgebiets. Diese Entscheidung hat sich ausbezahlt für die vielen Bauern, die sich zur Genossenschaft zusammengeschlossen hatten, um ihre wertvolle Alpmilch nicht länger zu einem niedrigen Preis ins Tal liefern zu müssen. Über die Jahre hinweg schlossen sich auch diejenigen der Genossenschaft an, die der Idee anfangs kritisch gegenüber gestanden hatten. Das führte dazu, dass jeden Sommer mehr Milch angeliefert wurde. Obschon Käser Othmar Manser und sein Team zu Spitzenzeiten um 3 Uhr morgens mit der Arbeit begonnen und dreimal täglich gekäst haben, konnten sie nicht alles verarbeiteten. «Es gab zwei Möglichkeiten», erinnert sich Genossenschaftspräsident Konrad Frischknecht. «Entweder wir mussten eine Höchstmenge bei der gelieferten Milch einführen, oder die Schaukäserei ausbauen.» Die knapp 60 betroffenen Landwirte sprachen sich einstimmig für die Erweiterung aus.

Finanziell stellte dieser Beschluss die Genossenschaft vor grosse Herausforderungen. Zwar konnte sie sich in den vergangenen Jahren ein eindrückliches Eigenkapital zusammensparen, und auch die Bank versprach Kredite. Gereicht hat es trotzdem nicht. «Wir sind sehr dankbar, dass die Schweizer Berghilfe den fehlenden Betrag übernommen hat», sagt Nef. Ansonsten hätte sich jeder Milchlieferant finanziell beteiligen müssen. «Gerade für die junge Bauern wäre das teilweise nicht möglich gewesen.»

Nun sind die letzten Bauarbeiten ausgeführt. Die hellen Schindeln des Anbaus heben sich noch deutlich von dem verwitterten Holz des Haupthauses ab. Im Inneren haben die Zuschauer nun nicht mehr nur eines, sondern gleich zwei Käsekessi im Blick, und Manser fängt auch nicht mehr mitten in der Nacht mit Käsen an. Er hätte zwar kein Problem damit, früher aufzustehen, aber die Touristen sind dann meist noch nicht auf den Beinen. Und eines ist für den Käser klar: «In einer Schaukäserei muss man sich nach den Zuschauern richten.»


https://www.alpschaukaeserei.ch/

Erschienen im August 2012

Das Projekt in Kürze

  • Schwägalp/AR