Neuer Glanz für alte Bauzeugen

Neuer Glanz für alte Bauzeugen

Seit 2019 unterstützt die Schweizer Berghilfe die Stiftung Ferien im Baudenkmal finanziell, damit diese denkmalgeschützte Bauten in Bergdörfern vor dem Verfall retten kann.

Wo findet man rustikale Steinhäuser, verwinkelte Gassen, mehr als nur einen Hauch von Italianità und ganz viel Lebensfreude? Natürlich südlich des Gotthards, im Tessin. Nahezu jedermann kennt die charmanten kleinen Dörfer in den Bergtälern des Kantons, so auch Moghegno, ein 350-Seelen-Dorf am rechten Flussufer der Maggia. Hier lebt es sich noch fast wie früher. Davon zeugen die altehrwürdigen Bauten aus dem Mittelalter, die das Dorfbild prägen. Einer davon ist die Casa Portico. Das denkmalgeschützte Haus steht seit mehreren Jahrzehnten leer. Noch bis vor kurzem waren die Anzeichen des Verfalls deutlich sichtbar: Das Haus drohte einzustürzen. Damit aus dem Drohend kein Tatsächlich wird, hat sich die Stiftung Ferien im Baudenkmal des Gebäudes ngenommen.
Die Stiftung renoviert denkmalgeschützte Bauten sanft und vermietet sie anschliessend als Ferienwohnungen. «Bei der Casa Portico war es höchste Zeit, einzugreifen: Da in dieser Häuserreihe die Gebäude so dicht nebeneinander stehen, wäre bei einem Einsturz ein Dominoeffekt eingetreten und nach und nach die Gebäude links und rechts ebenfalls zusammengefallen», sagt Kerstin Camenisch, Geschäftsführerin von Ferien im Baudenkmal. Mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe konnte die Stiftung das alte Steinhaus kaufen und kurz darauf mit den Sanierungsarbeiten beginnen.

Das Projekt in Kürze

  • Ferienwohnungen
  • Sanierung
  • Moghegno/TI

Diese Kooperation der Berghilfe mit Ferien im Baudenkmal läuft seit 2019. Kurt Zgraggen, Co-Geschäftsführer der Schweizer Berghilfe: «Mit dieser Partnerschaft fördern wir den naturnahen Tourismus und leisten einen Beitrag dazu, dass sich einheimische und Gäste in den Dörfern treffen können.» Die Bauarbeiten an der Casa Portico haben sich einige Monate hingezogen. Monate, in denen man vor dem Haus schon mal eine Gruppe alter Dorfbewohnerinnen antreffen konnte, die beim gemütlichen Schwatz über die guten alten Zeiten sinniert haben. «Ich freue mich sehr, dass hier bald wieder Leben einkehrt, momentan ist das leere Haus ein trauriger Anblick», sagt eine von ihnen. Die Bauarbeiten waren allerdings eine Herausforderung. «Bei so alten Häusern ist die Umsetzung der Sanierungsarbeiten schwierig», sagt der verantwortliche Architekt Antonio Pisoni. «Gerade, wenn nur so wenig an der Bausubstanz verändert werden soll wie nötig, damit das Gebäude den Anforderungen des Denkmalschutzes weiterhin gerecht wird.»
Der lokale Schreiner bestätigt dies. «Man muss immer improvisieren. Weil alle Wände schräg sind, bin ich vor Ort jeweils noch ziemlich lange am Herumbasteln, damit dann alles auch millimetergenau passt. Solche Herausforderungen sind aber auch das Schöne
an meinem Beruf.»
Die Bauarbeiten an der Casa Portico sind in der Zwischenzeit fertig gestellt, und das in neuem Glanz erstrahlte Haus wird bald bereit sein für die ersten Gäste. Auch weiter westlich hat die Berghilfe ein Objekt von Ferien im Baudenkmal mitfinanziert: In Souboz im Berner Jura auf 850 Metern über Meer steht die «Maison Heidi». Das stattliche Jura-Bauernhaus wird zurzeit sanft renoviert und demnächst als Ferienwohnung für vier bis sechs Personen zur Verfügung stehen.

www.ferienimbaudenkmal.ch

Text: Anja Hammerich

Bild: Nancy Wolf

Erschienen im August 2020