Nomaden-Bewirter wider Willen

Dank dem Campingplatz auf ihrem Hof hat Tania Poltera täglich Kontakt zu Menschen aus aller Welt. Zuerst war sie von dem neuen Standbein aber alles andere als begeistert.

«Freizeit haben wir dann im Winter wieder», lacht Tania Poltera, während sie einer Camperin aus Deutschland einen zusätzlichen Gebührensack reicht und erklärt, was dort alles reinkommt und was nicht. Von Mai bis Oktober ist auf der Wiese neben ihrem Bauernhof in Rona im Surses die halbe Welt zu Gast. Wohnmobil-Reisende, die auf dem Weg zwischen Nordeuropa und Italien für eine Nacht Station machen, aber auch Schweizer Familien aus dem Unterland, die hier zwei Wochen Zeltferien verbringen. Es ist sechs Jahre her, dass die Gemeinde Surses bei Polteras anfragte, ob sie nicht eine Übernachtungsmöglichkeit für Camper anbieten möchten. «Ich war skeptisch, liess mich aber vom Rest der Familie überreden», erinnert sich Tania. Heute ist sie es, die sich mit Begeisterung um den kleinen Campingplatz sowie um das dazugehörige Bistro und den Hofladen kümmert, während ihr Mann Philippe für die Landwirtschaft zuständig ist. Inzwischen ist der Zeltplatz zu einem wichtigen Standbein geworden. Besonders der Direktverkauf von eigenen Produkten läuft dank der zusätzlichen Gäste sehr gut.

Das Projekt in Kürze

  • Bergbauernfamilie
  • Neuer Stall nach Brand
  • Rona/GR

Ein Brand stellt alles in Frage

Vor knapp vier Jahren sah es aber plötzlich düster aus für die Zukunft von Camping und Bergbauernbetrieb. Es war Tag der offenen Tür und die ganze Familie war im Beizli beschäftigt, auch die drei Kinder Remo, Gian und Mara sowie viele Helfer. Plötzlich kam der zehnjährige Remo angerannt und rief, dass es beim Stall brenne.

Die Unterstützung

Nach dem Stallbrand zahlte die Versicherung von Familie Poltera zwar den grössten Teil des Wiederaufbaus, es bot sich jedoch an, die Gelegenheit zu nutzen und die WC-Anlagen für die Campinggäste zu überdachen. Dabei unterstützte die Berghilfe finanziell.

Löschen war bereits nicht mehr möglich, aber mit dem Gartenschlauch konnten die Anwesenden immerhin das Wohnhaus und die umliegenden Gebäude retten. Vom Stall selbst blieb nur das betonierte Erdgeschoss samt Küche und Hofladen übrig. Das Dach, das ganze Heulager, aber auch die Container mit den WCs für die Campinggäste brannten ab.

«Ohne WC und mit einem riesigen Chaos auf dem Hof konnten wir fast die ganze Saison keine Gäste empfangen», so Tania. Danach war vier Jahre lang Provisorium angesagt. Aktuell sind Polteras dran, den Stall neu aufzubauen. Und zwar gleich mit einem etwas grösseren Dach, sodass nun auch die WCs geschützt sind, Zeltgäste bei Regen einen trockenen Platz zum Essen haben und zusätzlich ein Unterstand für Maschinen entsteht.

geissenhof-rona.ch

Text: Max Hugelshofer
Bilder: Yannick Andrea und Max Hugelshofer

Erschienen im Juni 2026
Die Schweizer Berghilfe leistet finanzielle Unterstützung, wenn das Geld nicht ausreicht, um ein zukunftsweisendes Projekt zu realisieren.