Pipo und die Bibeli

Pipo und die Bibeli

8500 «Bibeli» halten Christian und Cornelia Grob in ihrem neuen Pouletmaststall im Toggenburg. Dadurch wurde der Nebenjob zum Vollerwerbsbetrieb.

«Komm Pipo, Poulets schauen», sagt Christian Grob, und der Appenzeller Sennenhund springt sofort auf die Eckbank neben sein Herrchen. Unbeweglich sitzt der Hund da, sein Blick ist starr auf die 8500 Küken gerichtet, die hinter der grossen Glasscheibe herumrennen. «Anfangs konnten wir beide am Abend stundenlang so dasitzen und die Bibeli beobachten», sagt Christian. «Ich glaube, den Tieren geht es wirklich gut bei uns.» Der junge Bergbauer aus Bächli bei Hemberg im Toggenburg ist stolz auf seinen neuen Stall. Sehr stolz: «Ich wusste immer, dass ich dieses Ziel erreichen kann. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauern würde.» Angefangen hatte alles in der Lehre. Da arbeitete Christian bei einem Bauern, der Poulets mästete. «Ich fand das sehr spannend und träumte davon, später auch in die Pouletmast einzusteigen», erinnert er sich. Erst kam aber alles ganz anders. Nach der Lehre kehrte Christian der Landwirtschaft den Rücken, schulte sich zum Informatiker um. Seinen Traum hatte er schon fast vergessen. Bis ihm sein Vater anbot, den Betrieb zu übernehmen. «Da war plötzlich alles wieder da, und ich merkte, dass ich eigentlich nichts anderes sein möchte als Landwirt.»

Er traf seine spätere Frau Cornelia, die bald zu ihm auf den Hof zog, obschon sie mit der Landwirtschaft nichts am Hut hatte. «Ich hätte mir nie vorstellen können, einen Bergbauern zu heiraten», sagt sie lachend. «Aber wenn die Liebe einschlägt, wirft man seine Pläne über den Haufen.» Sie überliess die Landwirtschaft aber ihrem Mann und arbeitete weiterhin Vollzeit als technische Zeichnerin. Auch Christian behielt eine Teilzeitanstellung als Informatiker und besorgte den abgelegenen Hof, den der Vater vor Jahren von Milchwirtschaft auf Rinderaufzucht umgestellt hatte, nebenher. Doch auf Dauer genügte das Christian nicht. «Ich wollte nicht bloss ein Hobby-Bauer sein, sondern von der Landwirtschaft leben können», sagt er. Dazu musste er einen zweiten Geschäftszweig aufbauen. Er hätte wieder anfangen können, Milchkühe zu halten – oder den alten Traum von der Pouletmast verwirklichen. Das Bewilligungsverfahren war lang und ermüdend, und die Finanzierung machte dem jungen Paar einen Strich durch die Rechnung. Christian und Cornelia fragten bei der Schweizer Berghilfe um Unterstützung an. Die erlösende Zusage kam rasch. «Dieses Projekt ist vorbildlich», erklärt Martin Reich, bei der Schweizer Berghilfe ehrenamtlicher Experte für das Toggenburg. Er hat Grobs vor Ort besucht und ist vom Betriebskonzept überzeugt. «Es ist schön zu sehen, wie junge Landwirte den mutigen Schritt in ein neues Geschäftsfeld wagen.»

Heute haben Grobs den Zyklus der Mast, der mit dem Anliefern der Küken anfängt und mit dem Abholen der schlachtreifen Hühner wieder aufhört, bereits mehrere Male hinter sich. «Es gab viel zu lernen», sagt Cornelia. Inzwischen zieht auch sie sich immer wieder mal die Stallstiefel an und hängt sich den blauen Umhang über, um auf einen Kontrollgang durch den Stall zu gehen. «Ich könnte mir vorstellen, hier künftig regelmässig Arbeiten zu übernehmen», sagt sie. «Spätestens dann, wenn wir mal Kinder haben und ich nicht mehr auswärts arbeiten gehe.»

Text und Bilder: Max Hugelshofer

Erschienen im Juni 2013

Das Projekt in Kürze

  • Bauern
  • Pouletmaststall
  • Bächli/SG