Saignelégier, Hauptstadt der Holzschnitzel

Yann Flück heizt Saignelégier ein: Er lässt Holzabfälle aus den Wäldern der Umgebung einsammeln, um sie in Fernwärme umzuwandeln. Sieben zusätzliche Arbeitsplätze in der Region sind damit entstanden.

Nur wenige Minuten von Saignelégier entfernt verarbeiten Yann Flücks Arbeiter in einem Waldstück Holzabfälle zu Holzschnitzeln. Der riesige Häcksler verschlingt in fünfzehn Minuten einen enormen Berg Holz. Im Nu ist der wartende Lastwagen mit 50 Kubikmetern Holzschnitzeln beladen – es ist Energie pur. Denn diese werden anschliessend zu einer grossen Lagerhalle transportiert, von wo aus sie automatisch in die Heizzentrale befördert werden können. Kaum hat der Lastwagen die Schnitzel in der Halle ausgeschüttet, fährt er zurück in den Wald. Durchschnittlich fährt ein Lastwagen pro Häckseleinsatz zehn Mal hin und her.

Ohne Yann und und seiner Frau Sophie Flück würde sich das Holz ungenutzt in der Natur zersetzen. «Unser Ziel ist es, Waldabfälle in einem Umkreis von 15 Kilometern zu verwerten und den Rohstoff Holz aufzuwerten», sagen die beiden. Zu diesem Zweck haben sie eine Online-Plattform konzipiert, auf der Unternehmen und Waldbesitzer Holzabfälle melden und die Abholung organisieren können. «Morgen fahren wir nach Tavannes und übermorgen nach Saint-Imier. Wir sind in den gesamten Freibergen unterwegs und organisieren uns von Woche zu Woche, je nach Lagerbestand», sagt Yann Flück. Die Dienstleistungen umfassen das Zerkleinern des Holzes und die Schnitzelproduktion.

Das Projekt in Kürze

  • Forstbetrieb
  • Fernwärme-Anlage
  • Saignelégier/JU

Warmwasser für Käserei, Kirche und Altersheim

Das Holz wird in der grossen Heizzentrale in Saignelégier verbrannt. Auf einer Länge von 4,5 km verlaufen Fernwärmeleitungen unter dem Hauptort der Freiberge und beheizen unter anderem Privathäuser, die Käserei, die Kirche, das Sportzentrum und auch das Spital, welches demnächst in ein Altersheim umgewandelt werden soll. Diese Lösung ist nicht nur nachhaltig – ein Kubikmeter Hackschnitzel ersetzt etwa 70 bis 80 Liter Heizöl –, sondern auch komfortabler: Beissender Ölgeruch und aufwändige Wartungsarbeiten für die Privatbesitzer von Heizungen gehörend der Vergangenheit an. Und das Tüpfelchen auf dem i: Die Preise bleiben stabil. Die wachsende Nachfrage bedingt einen Ausbau der Anlage: ein dritter Kessel soll installiert werden, um einen redundanten Betrieb bei technischen Problemen zu gewährleisten und der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden.

Yann Flück ist gelernter Landwirt und Forstwart. Zusammen mit seiner Frau Sophie hat er seine Dienstleistungen nach und nach erweitert. Heute betreibt er als Leiter der Partnerfirma Franches-Montagnes Energie SA nicht nur das Fernwärmenetz von Saignelégier. Sondern bietet auch diverse Diensteistungen rund um Holzheizungen von Privatkunden an.

In der Heizzentrale Saignelégier laufen die beiden Holzkessel auf Hochtouren, stossen aber nahezu keinen Rauch aus. In den Kaminen installierte Filter fangen mit Hilfe modernster Technologie auch feinste Partikel auf. Die Asche wird gesammelt und in einer Deponie fachgerecht entsorgt – noch. Flücks haben bereits Ideen für die Verwendung der Brennrückstände: «Man könnte aus der Asche Ziegel herstellen und so den Kreislauf schliessen», sagt er.

Text: Alice Cignetti
Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im Januar 2024
Die Schweizer Berghilfe leistet finanzielle Unterstützung, wenn das Geld nicht ausreicht, um ein zukunftsweisendes Projekt zu realisieren.