Statt Praktikant gleich Geschäftsführer

Eigentlich wollte Maxime Métrailler vor rund 15 Jahren bloss einen Praktikumsplatz. Stattdessen bekam er den ganzen Betrieb angeboten und führte auf einen Schlag rund 10 Mitarbeitende. Mittlerweise sind es 25, darunter vier Lehrlinge.

«Heute ist ein spezieller Tag», verkündet Maxime Métrailler, kurz nachdem er sich in Nendaz im Café am Hauptplatz an einen der Tische gesetzt hat. «Ich habe die letzte Rate für meine Schreinerei an die Vorbesitzer überwiesen», sagt der erst 36-Jährige. Die erste Rate hatte er im Jahr 2010 bezahlt. Maxime Métrailler war durch Zufall zum Schreinerei-Besitzer geworden. Er suchte gerade eine Praktikumsstelle. Da rief ihn ein ehemaliger Lehrer an, um ihm von einem Zimmereibetrieb in Nendaz zu erzählen, dessen Chef verstorben war und der einen Nachfolger suchte. «Ich wollte eigentlich ein Praktikum machen. Und plötzlich hatte ich die Schlüssel zu einem Unternehmen in der Hand», erzählt er. Da er zu jung war, um den Kaufpreis aufs Mal zu begleichen, einigte er sich mit den ehemaligen Eigentümern auf einen schrittweisen Kauf.

Das Projekt in Kürze

  • Schreinerei
  • Neue Werkhalle und Zufahrt
  • Haute Nendaz/VS

Holzhotel in Nendaz

Gestartet war der damals 26-jährige mit rund 10 Mitarbeitenden, heute sind es 25, davon vier Lehrlinge. Mit seiner Firma «Artisans du bois» baut Maxime Fenster, Möbel und ganze Holzhäuser. «In den ersten Jahren habe ich schon nicht immer gut geschlafen», sagt er freimütig. «Aber wer den Mut hat, sich mehrere Jahre auf eine Sache einzulassen, kann die finanzielle Last einer Investition oft deutlich mindern. Das sage ich auch meinen Mitarbeitern und ermuntere sie, eigene Projekte zu starten.»

Der heutige Schreinermeister suchte früh Synergien, vernetzte sich mit Zimmereien und anderen Fachbetrieben. «Wir müssen nicht alles selbst können», sagt er. So gelang es ihm auch, ein kleines Leuchtturmprojekt im Holzbau zu realisieren. Mitten in Nendaz, gleich neben der grossen Talstation des gleichnamigen Skigebiets, steht seit zwei Jahren ein sechsstöckiges Hotel – ganz aus Holz. Der Clou: Jedes der 28 Zimmer samt Nasszelle besteht aus einem geschickt ausgebauten Holzcontainer. Die Container entstanden in einer grossen Werkhalle der Partnerfirma im Tal. Angestellte von Maxime arbeiteten dort über mehrere Monate Hand in Hand mit Zimmerleuten und Sanitärspezialisten. Die fertigen Container wurden nacheinander nach Nendaz transportiert. Dort mussten die Elemente nur noch richtig gestapelt, Leitungen angeschlossen und das Dach gesetzt werden.

Die Unterstützung

Als Maxime die Schreinerei übernahm, wuchs sie rasch von 10 auf über 20 Mitarbeitende. Um das Potenzial an neuen Aufträgen auch nutzen zu können, brauchte es eine neue Werkhalle und verbesserte Zufahrt. Beides gelang mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe.

Nebenbei noch Bauer geworden

Als ob die Schreinerei nicht genug Arbeit gäbe, hat Maxime vor einigen Jahren begonnen, Ehringerkühe zu halten. «Ich half im Sommer immer mal wieder einem Freund auf der Alp. Eines Tages kam diese eine Kuh aus dem Stall. Da war es um mich geschehen. Dieses Tier wollte ich unbedingt», sagt er lachend. Zunächst tat er sich mit anderen Hobby-Kuhhaltern zusammen. Doch seine Herde wuchs, und schliesslich übernahm er einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb. «Meine Tage sind jetzt schon sehr lange. Morgens bin ich von sechs bis neun Uhr im Stall, dann in der Schreinerei und ab vier, fünf Uhr nachmittags wieder im Stall. Vor Mitternacht komme ich selten ins Bett», sagt er. Seine Partnerin Ludivine unterstützt ihn vor allem im Stall viel. Dennoch bleibt nicht viel Zeit für Freunde und Familie. Aber eines ist für ihn jetzt schon klar: «Mein Ziel ist es, die Schreinerei langsam in andere Hände zu übergeben und so die Arbeitslast zu verteilen.» Auch hier ist sein Schlüssel: Früh anfangen, kleine Schritte umsetzen und sich vernetzen.

Text: Alexandra Rozkosny

Bilder: Yannick Andrea, Alexandra Rozkosny

Erschienen im Januar 2026

Vom Wald zum Produkt: Themenschwerpunkt 2026 der Schweizer Berghilfe

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