Tonnenweise Eigeninitiative
Vorbei sind die Zeiten, als die Älpler auf der Schwyzer Seite des Pragelpasses ihre Milch einzeln ins Tal herunterfahren mussten. Heute wird sie vor Ort in der Alpkäserei Pragel-Bödmeren verarbeitet.
Vorbei sind die Zeiten, als die Älpler auf der Schwyzer Seite des Pragelpasses ihre Milch einzeln ins Tal herunterfahren mussten. Heute wird sie vor Ort in der Alpkäserei Pragel-Bödmeren verarbeitet.
Früher musste Älpler Josef Gwerder die Milch jeden Tag von seiner Alp Schwellaui im Klöntal über den Pragelpass bis nach Muotathal fahren. Bis zur neuen Alpkäserei Pragel-Bödmeren der Familie Holdener ist es nur noch halb so weit. Gwerder spart aber nicht nur Zeit. Weil seine Milch nun lokal zu hochwertigem Alpkäse verarbeitet werden kann, ist die Alpgenossenschaft in der Lage, ihm einen höheren Literpreis zu bezahlen, als er zuvor erhalten hat. Eine wirklich gute Sache, die Käserei, findet Gwerder. So wie ihm geht es auch den elf weiteren Älplerfamilien, die ihre Milch zu Holdeners in die Alpkäserei bringen. Diese Verbesserung ihres Einkommens haben die Genossenschafter selbst in die Hand genommen. Über Jahre hinweg haben sie tausende von Arbeitsstunden in dieses grosse Projekt gesteckt. Sie haben sich zusammengerauft, gemeinsam Ideen für die Zukunft ihrer Alpen ausgebrütet, diskutiert, Pläne gemacht, diese wieder verworfen und neue in Angriff genommen und nicht zuletzt eine beachtliche Stange Geld zusammengespart. Gereicht hat es trotzdem nicht ganz. Weil aber die Schweizer Berghilfe der Genossenschaft finanziell unter die Arme gegriffen hat, ist aus der Idee doch noch eine moderne Käserei geworden.
Der grösste Teil der jährlich 20 Tonnen Alpkäse geht ins Unterland, immer mehr wird an regionale Läden und an Private geliefert. Den Rest des Käses und die Frischprodukte verkaufen Holdeners direkt im kleinen Laden in der Käserei. Kunden sind vor allem Wanderer und Velofahrer, welche die Gelegenheit für eine Pause nutzen und gerne auch durch die grossen Glasscheiben bei der Produktion zuschauen. Toni Holdener beginnt um fünf Uhr früh. Erst muss alles gründlich gereinigt werden, dann werden weitere Molkereiprodukte wie Joghurt oder Quark hergestellt, danach wird nochmals alles geputzt. Die Mutschli müssen am Nachmittag aus der Presswanne ins Salzbad, die Alpkäse erst morgen früh. Viel Zeit nimmt vor allem gegen Ende der Alpsaison die Pflege des Käses in Anspruch. Bis alles erledigt ist, wird es manchmal später Abend. Und dies an sieben Tagen pro Woche. Unterstützung erhält Toni von seiner Frau Vroni und manchmal auch von den beiden Töchtern Nadine (4) und Christa (6). Die Familie lebt im Sommer jeweils auf der Alp, im Winter in Muotathal. Dann kümmern sich Toni und Vroni auch um die Vermarktung des Käses. An Ideen fehlt es Holdeners nicht. Kürzlich haben sie einen Anhänger zum Raclette-Mobil umgebaut, mit dem sie zu privaten Festen und Firmenanlässen fahren und dort die Gesellschaft mit selbstgemachtem Raclettekäse verpflegen.