«Um diese Zeit kommt alles zusammen»

Mitten in Klosters produziert Simon Grischott feinsten Berghonig, jedes Jahr rund zehn Tonnen. Doch in seiner Werkstatt findet man ihn Mitte Juli kaum. Dann nämlich ist Bienenherbst und Erntezeit.

«Um diese Jahreszeit hätte ich am liebsten sechs Arme und Beine, um all die Arbeit zu erledigen», sagt Simon Grischott und lacht. «Es sind jedes Jahr dieselben langen Arbeitstage, ich bin dann schon froh, wenn es im September ruhiger wird». Mitte Juli beginnen für Bienen nämlich schon die Vorbereitungen für den nächsten Frühling. Die meisten Blumen sind verblüht, dafür sind die Waben randvoll mit Honig. Holt man diese nicht rechtzeitig ab, kann es passieren, dass das Volk ausschwärmt. Und ist der Honig einmal abgeholt, muss man den Völkern einen Ersatz in Sirupform anbieten. Gleichzeitig sollte Simon die Bienenstöcke, die auf der Alp Vereina für die Ernte des Alpenrosenhonigs aufgestellt sind, hinunter ins Tal zügeln. Und dann züchtet der junge Imker auch die eigenen Königinnen nach. Die brauchen rund zwei Wochen, um auf der Alp genügend Drohnen, also männliche Bienen, getroffen zu haben. Beginnen die begatteten Königinnen erste Eier zu legen, muss Simon sie sofort von der Alp runterholen. Da geht es um ein paar wenige Tage. Auch das passiert jetzt, Mitte Juli. «Ich mache natürlich nicht alles allein, das ginge bei den rund 200 Bienenvölkern längst nicht mehr», sagt der 38-Jährige Berufsimker. Seine Eltern Hans und Regina helfen mit, seine Schwester Bianca sowie die Mitarbeiterin Ariana sind in einem Teilzeitpensum angestellt und die Saisonarbeiterin Laura unterstützt das Team in der Hochsaison.

Das Projekt in Kürze

  • Imkerei
  • Neue Verarbeitungsräume mit Solaranlage
  • Klosters/GR

Honig in der Küche schleudern

Angefangen hatte Simon mit den Bienen als achtjähriger Schulbub. Sein Vater hielt als Hobby rund acht Völker. Simon war fasziniert und half viel mit. Kurz nach seinem Lehrabschluss als Schreiner baute der junge Mann die Zahl der Bienenvölker aus und hielt bald deren 50. «Am Anfang belegten wir im Juli die Küche jeweils zwei, drei Tage lang fürs Honigschleudern, dann musste die ganze Familie beim Nani essen», sagt er. «Doch aus wenigen Tagen im Jahr wurden es bald Wochen. Da fand meine Mutter, so ginge es nicht mehr. Es musste ein eigener Verarbeitungsraum her.»

Trotz Maschinen viel Handarbeit

Zuerst bauten Vater und Sohn den ehemaligen Schopf aus. Doch schon bald war auch der Raum zu klein. So entstand mit Unterstützung der Berghilfe ein neues Gebäude. Darin hat es endlich genug Platz für eine professionelle Maschinenkette. In ihr werden die Waben von den Deckeln befreit, in die Schleuder umgelagert und dann geschleudert. So fliesst der Honig automatisch gefiltert in grosse Behälter. Wachs- und Honigreste kann die Maschine fast bis auf den letzten Tropfen auffangen. «Beim Einsortieren in die grosse Schleudertrommel muss man nur darauf achten, dass die schweren, sehr vollen Wabenrahmen gleichmässig verteilt sind. Sonst krachts», erklärt Bianca, Simons Schwester. Dann hebt sie mit einem kleinen Kran die nächste, fast 30 Kilo schwere Zarge vom Stapel und stellt die Wabenrahmen einzeln in die Maschine. Ganz alles geht auch jetzt nicht automatisch. Wie viele Male sie diese Bewegungen noch machen wird, weiss sie nicht: «Wir zählen die Rahmen und Zargen nicht, das würde uns wohl verrückt machen», sagt sie lachend. «Lieber einfach machen, eins ums andere.»

Die Unterstützung

Damit der Imkereibetrieb sich auf eine professionelle Basis stellen konnte, brauchte es neue Verarbeitungsräume. Die Berghilfe unterstützte Simon Grischott bei der Finanzierung des Neubaus.

Bald beginnt die Drohnenschlacht

Derweil ist Simon draussen bei einem Standplatz mit Bienenstöcken auf Kontrolle. Rahmen um Rahmen heben der Vater und Laura, die Aushilfe, die Waben aus den Stöcken, auf der Suche nach den alten Königinnen. Sie sollen isoliert werden. Auffällig ist: Auf den Rahmen sitzen viele etwas grössere Bienen. «Das sind die Drohnen», sagt Vater Hans. «Noch lassen die Arbeiterinnen sie in den Stock, aber bald beginnt die Drohnenschlacht». Wenn draussen zu wenig Nektar und Pollen sind, dann drängen die Bienenweibchen die Männchen vom Futter weg. Und schliesslich bauen die Arbeiterinnen vor dem Eingang eine Wache aus und lassen die Männchen gar nicht mehr hinein. Dann verhungern die Drohnen, denn etwas anderes als den Honig können sie nicht fressen. «Das ist brutal, weshalb es im Imkerjargon ‹Drohnenschlacht› genannt wird», ergänzt Simon, «aber es gehört zum komplexen Zyklus der Honigbienen halt auch dazu.» Schnell schaut Simon noch bei den jungen Königinnen unterhalb der Alp Vereina vorbei. Auch wenn es zuweilen sehr streng sei, begeistere ihn das Arbeiten mit Bienen – im Bündner Dialekt die «Imi» – immer noch sehr: «Es kann dir trotz aller Erfahrung immer wieder mal passieren, dass ein Bienenschwarm abhaut. Hast du Bienen, kannst du nie alles kontrollieren. Das fasziniert mich einfach.»

Text und Bilder: Alexandra Rozkosny

Erschienen im Juli 2026

Die Bienenkönigin – eine Wundertüte

Eine der faszinierenden Fähigkeiten der Bienenkönigin ist: Sie kann steuern, ob aus einem Ei eine Arbeiterin wird oder eine männliche Drohne. Dazu muss man wissen: Eine Königin ist am Anfang ihres Lebens und nur wenige Tage empfängnisbereit. Dann lässt sie sich von möglichst vielen Drohnen begatten, bewahrt alle Samen in sich auf und gibt die Spermien gezielt Ei für Ei frei. Will sie aber, dass Drohnen schlüpfen, verhindert sie in ihrem Körper die Befruchtung.
Die Schweizer Berghilfe leistet finanzielle Unterstützung, wenn das Geld nicht ausreicht, um ein zukunftsweisendes Projekt zu realisieren.