Unterstützung im Doppelpack

Am Kerenzerberg kommen Berghilfe-Projekte gleich im Doppelpack: im Untergeschoss eine Fernwärmezentrale für 34 Gebäude, darüber die schon lange benötigten neuen Büros für eine IT-Firma.

Das moderne Holzgebäude könnte ein Wohnhaus sein. Oder ein Bürogebäude. Ein Blick auf das Klingelschild bestätigt: Hier hat die Informatik-Firma «gl it gmbh» ihren Sitz. Doch etwas ist komisch an dem Gebäude. Der überdimensionierte Kamin verrät, dass im Untergeschoss etwas anderes untergebracht ist als Kellerabteile und Bastelräume. Christoph Zwicky schliesst die Tür auf, und ein Schwall warme Luft strömt heraus. Man sieht: isolierte Tanks, viele Leitungen, Bildschirme – und zwei VW-Bus-grosse Öfen. Hier wird die Wärme für das halbe Dorf produziert.

Christoph ist Präsident der Genossame Obstalden. Die Genossame ist sozusagen der Dorfverein des zur Gemeinde Glarus Nord gehörenden Obstaldens. Ohne sie gäbe es hier kaum ein Dorfleben – und weder einen Mehrzweckraum noch einen Laden. Weil der Genossame viel Wald gehört, machte sich der Vorstand schon länger Gedanken, wie dieser genutzt werden könnte. Vorstandsmitglied Ruedi Peer hatte die Idee eines Fernwärmeverbunds mit Holzschnitzelfeuerung.

Bis dann jedoch die Bagger auffahren konnten, dauerte es. Machbarkeitsstudien, Vorprojekte, Einsprachen, Standortwechsel, Verzögerungen der Entscheide wegen coronabedingtem Versammlungsverbot – die Liste der Steine, die im Weg lagen, ist lang.

Das Projekt in Kürze

  • Genossame und IT-Firma
  • Bürogebäude mit integrierter Fernheizzentrale
  • Obstalden/GL

Platzmangel sorgt für kreative Lösungen

Zwei, die geholfen haben, diese Steine aus dem Weg zu räumen, sind Reto Cossalter und Andy Lippuner, Inhaber der Informatikfirma «gl it gmbh», die bisher in einer Liegenschaft der Genossame eingemietet war. Die Firma wuchs, die Büros wurden zu klein. «Am Schluss sassen wir einander fast auf dem Schoss, es war undenkbar, Kunden bei uns im Büro zu empfangen», sagt Reto. Geeignete Büroflächen gab es in Obstalden keine, und Wegziehen wollten sie mit ihrer Firma auch nicht. «Wieso können wir uns nicht einfach in der Heizzentrale einquartieren?», fragte Reto im Scherz, als die Idee des Fernwärmeverbunds aufkam.

Heute teilen sich die Genossame und «gl it» das Gebäude im Stockwerkeigentum. Durch die entstandenen Synergien wurde der Bau finanziell tragbar, die IT-Firma kam zu zweckmässigen, neuen Bürogebäuden und in Obstalden können nun über 40 Haushalte, mehrere Gewerberäume, der Dorfladen, Restaurants, die Schule und der Werkhof CO2-neutral mit lokalem Holz geheizt werden.

Text und Bilder: Max Hugelshofer

Erschienen im Februar 2023
Die Unterstützung
Die Schweizer Berghilfe hat sowohl die Genossame Obstalden beim Bau der Fernwärmeanlage als auch die Firma «gl it gmbh» bei der Erstellung ihrer Büroräume unterstützt. Zwei Projekte unter einem Dach sind auch für die Berghilfe etwas Aussergewöhnliches. Möchten auch Sie unterstützen?
Was Sie tun können
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