Vier Generationen, ein Hotel
Vom 94-jährigen Edy bis zur wenigen Monate alten Matilde: Vier Generationen Sassellas führen gemeinsam das «Relais Lucomagno». Bevor es zum Familienprojekt wurde, sah es nicht gut aus für das Hotel am Lukmanier.
Vom 94-jährigen Edy bis zur wenigen Monate alten Matilde: Vier Generationen Sassellas führen gemeinsam das «Relais Lucomagno». Bevor es zum Familienprojekt wurde, sah es nicht gut aus für das Hotel am Lukmanier.
Eigentlich hatten Edy und Marianne Sassella schon längst abgeschlossen mit ihrem Hotel im Bleniotal. Im Jahr 2000, bereits weit über dem Pensionsalter, übergaben sie ihren Betrieb an einen Pächter, der ihn später kaufen wollte. Doch das nötige Geld brachte der Pächter nie zusammen. Und das Hotel lief von Jahr zu Jahr schlechter, sodass die beiden die Pacht kündigen mussten. Weil in den letzten Jahren kaum ins Hotel investiert wurde, blieb eigentlich nur die Wahl zwischen Abreissen und Totalsanierung.
Was tun? Die beiden beriefen den Familienrat ein, besprachen die Situation mit ihren Töchtern und ihren Enkeln. Zusammen traf man die Entscheidung: «Wir wagen einen gemeinsamen Neustart.» Die Töchter Ludmilla und Monica würden das Hotel führen, Monicas Söhne Manuel und Alex als Projektleiter für den Umbau, respektive als Digitalisierungsverantwortlicher mitarbeiten.
In Rekordzeit katapultierte die Familie Sassella das altehrwürdige Hotel in die Neuzeit. Es blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Die Zimmer wurden alle neu gemacht. Die Küche, das Restaurant, der Fitnessraum und die Sauna – alles neu. Sogar der Name
änderte von «Albergo Arcobaleno» zu «Relais Lucomagno». Auch das Konzept krempelten die frischgebackenen Hoteliers um. «Wir fragten uns, was man hier im Val Blenio besser machen kann als sonst wo», erzählt Manuel. Nach langen Diskussionen blieben zwei Stichworte: Sport und Ruhe. Also richteten sie den Betrieb auf Outdoorsportler einerseits sowie auf Tagungsgäste andererseits aus. Nun hat das «Relais Lucomagno» nicht nur einen Ski- und Bikeraum, verschiedene Tagungszimmer, einen Fitness- und Yogaraum und eine Sauna, sondern auch den landesweit höchstgelegenen Padel-Tennis-Court. Die Trendsportart, die in Spanien und auch in Skandinavien bereits weit verbreitet ist, ist hierzulande erst am kommen. Manuel ist sich aber sicher, aufs richtige Pferd gesetzt zu haben. «Padel-Tennis macht unglaublich viel Spass und ist viel einfacher als richtiges Tennis.»
Eigentlich liegt der sportliche Fokus des Hotels aber eher bei den Outdoor-Sportarten, also beim Mountainbiken, Wandern und Klettern. «Da bietet die Region unglaublich viel», sagt Manuel. Er, sein Bruder Alex und sein langjähriger Freund Stefano Geninasca haben mit «Base Camp Ticino» sogar extra einen Verein gegründet, der verschiedenste sportliche Angebote in der Region koordiniert. Gäste können sich an einem Tag E-Bikes ausleihen, am nächsten an einem Yoga-Kurs teilnehmen und tags darauf mit einem Kletterführer die Steilwände des Tals hochkraxeln.
Seit vergangenem Sommer ist das Hotel nun in Betrieb, und die Rückmeldungen der ersten Gäste stimmen Familie Sassella zuversichtlich, auf dem richtigen Weg zu sein. Alle bringen ihr Wissen und ihre Erfahrung ein und engagieren sich nach ihren Möglichkeiten. Auch Edy und Marianne arbeiten mit ihren 94, respektive 81 Jahren immer noch regelmässig mit.
Seit Mitte Oktober ist die vierte Generation am Start. Matilde, das Töchterchen von Manuel und seiner Frau Anna, die natürlich ebenfalls mithilft und sich um Marketing und Social Media kümmert, arbeitet zwar noch ein paar Jährchen lang nicht mit. Sie nimmt aber dennoch eine wichtige Rolle ein. Vorläufig als Aufmerksamkeitsmagnet auf den Armen ihres Vaters, der sie stolz durchs ganze Hotel trägt.