Winterfest

Winterfest

Dank neuer Türen und Fenster bleibt die Wärme der neuen Holzschnitzelheizung im Haus.

Mit der alten Elektroheizung wurde es im Wohnhaus der Bergbauernfamilie Bacon nie richtig warm. Anfang Jahr wurde sie durch eine Holzschnitzelheizung ersetzt. Mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe konnten im Anschluss die undichten Fenster und Türen des Hauses erneuert werden.

Die Strasse führt aufwärts, zwischen Obstbäumen hindurch, vorbei an Häusern mit Gemüsegärten. Zur Linken thront hoch oben das Schloss von Pleujouse. In einiger Entfernung lässt das Krähen eines Hahnes den Hof der Familie Bacon erahnen. Yves Bacon unterhält sich in einem Schopf neben dem Haus mit seinem Vater. Hinter ihm hüpfen in einer Volière nervös einige Wachteln auf ihren Sitzstangen hin und her. Vorbei an aufgehängten Geweihen und ausgestopften Hirschköpfen gelangt man ins wohlig warme Wohnzimmer des Hauses. Warm war es nicht immer im über hundertjährigen Gebäude. Das Haus, in dem schon Yves Bacons Urgrosseltern wohnten, wurde zuletzt mit einer Elektroheizung gewärmt. Sie reichte aber nirgends hin. Um die Räume des Hauses halbwegs warm zu bekommen, musste die Familie jeweils im Cheminée im Wohnzimmer und in einem Ofen in der Küche Feuer machen. Seit Ende März ersetzt eine moderne Holzschnitzelheizung die ineffiziente alte Heizung. «So ist es viel besser», sagt Yves’ Frau Mirka. «Jetzt müssen wir uns nicht mehr immer um die Feuer kümmern.» Mirka geniesst die Vorteile, welche das neue Heizsystem mit sich bringt. «Auch wenn man den ganzen Tag weg ist, ist es schön warm, wenn man nach Hause kommt. Und man muss auch keine Angst mehr haben, dass sich eines der Kinder am Ofen verbrennt.»

Neue Türen und Fenster

Die 28-jährige Mirka ist gebürtige Slowakin. Vor fünf Jahren zog sie mit ihrem heute neunjährigen Sohn Marek zu Yves nach Pleujouse. Kennengelernt hat sich das Paar dank Mirkas Schwester, die in der Schweiz in den Ferien war und sich dort in einen Freund von Yves verliebte. Mittlerweile hat das Paar drei Kinder: Zu Marek sind Sarah (3) und Nicolas (1) hinzugekommen. Der 35-jährige Yves hat den Hof in Pleujouse von seinem Vater übernommen. Seit jeher hat die Familie die meisten Arbeiten an den Gebäuden des Hofs selbst erledigt und in Eigenregie gebaut. Beim Projekt Heizung waren Bacons trotz grosser Eigenleistung auf Unterstützung angewiesen. Dank Subventionen, einem Agrarkredit und der Erhöhung einer Hypothek konnte zwar die neue Heizung installiert werden. Für das ebenfalls dringende Austauschen der undichten Türen und Fenster blieb allerdings kein Geld übrig.

Das Projekt in Kürze

  • Bergbauernfamilie
  • Neue Türen und Fenster
  • Pleujouse/JU

Dank der Unterstützung der Schweizer Berghilfe konnte auch diese Massnahme verwirklicht werden, sodass die neu gewonnene Wärme effizient genutzt werden kann. Die Investitionen werden sich auch finanziell positiv auswirken. Die Holzschnitzelheizung ist im Unterhalt wesentlich günstiger als die Elektroheizung, auch weil das Holz aus dem eigenen Wald stammt. Die Verarbeitung zu Schnitzeln erledigt ein externer Profi mit einer speziellen Maschine. So spart Yves viel Zeit, die er früher zum Bereitstellen des Feuerholzes benötigt hat.

Auch der Betrieb der neuen Heizung ist viel weniger aufwendig als das Einfeuern von Cheminée und Ofen. Die Zeit, die Mirka dank der neuen Heizung spart, kommt den drei Kindern zugute. Und Yves kann sich jetzt auf die Arbeit auf dem Hof konzentrieren. 35 Hektar Nutzfläche bewirtschaftet er grösstenteils alleine. Mirka hilft, so gut sie kann, und auch Yves’ Vater kommt jeden Tag vorbei, um mitanzupacken. Zwanzig Mutterkühe und deren Nachwuchs müssen auf dem Fleischwirtschaftsbetrieb täglich versorgt werden. Ein Grossteil des Fleisches wird unter dem «Natura Beef»-Label verkauft.Neben den Kühen leben unzählige weitere Tiere auf dem Hof. Hunde, Ziegen, Schafe, Wildschweine, verschiedenste Vögel – je ausgefallener die Rasse, desto interessanter findet sie Yves. Die Tiere und die Jagd sind Yves’ Leidenschaft. Dafür wird er künftig etwas mehr Zeit haben. Dank der neuen Heizung sind für die Familie auch Besuche bei Freunden einfacher geworden. Weil das Haus nach der Rückkehr jeweils eiskalt war, hätten sie sich vorher nämlich oft zweimal überlegt, wegzugehen. «Jetzt müssen wir uns viel weniger Gedanken machen», freut sich Mirka. An Weihnachten bleibt die Familie aber zu Hause und feiert mit Verwandten. Im Wohnzimmer, das jetzt immer schön warm ist.

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im November 2014