«Wir dachten nie ans Aufgeben»

Nach einem Brand musste Familie Kunz aus Emmenmatt ihren Hof wieder aufbauen.

Mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe baute die Familie Kunz ein zeitgemässes Bauernhaus, die Grundlage einer neuen Existenz nach der Brandkatastrophe. «Das Spendengeld hat uns über den Berg geholfen», sagt Johanna Kunz und blickt endlich wieder zuversichtlich in die Zukunft. In rund zwei Jahren wird einer der Söhne den Hof übernehmen.

«Mein Mann und ich befanden uns mit unserem behinderten Sohn Adrian gerade an einer Vieh-Ausstellung in Thun», erzählt Bergbäuerin Johanna Kunz. Das Bild, das sich ihnen bei der Heimkehr bot, sei entsetzlich gewesen. «Alles stand in Flammen und Helfer verfrachteten Niklaus, der eine Rauchvergiftung und Brandverletzungen am Kopf erlitten hatte, gerade in den Krankenwagen und fuhren ihn notfallmässig ins Spital Langnau.» Glück im Unglück: Der älteste Sohn erlitt «nur» eine Rauchvergiftung und Brandverletzungen. Doch neben dem Wohnhaus, dem Stall, den Tieren, Geräten und Maschinen wurden auch viele persönliche Dinge ein Raub der Flammen. Johanna Kunz: «Verbrannt waren sämtliche Ausweise und Dokumente, aber auch Erinnerungsstücke wie Fotos oder Treicheln und an Viehschauen gewonnene Kränze.» In den Tagen nach dem Brand übernachtete die Familie beim ältesten Sohn, bis sie dann vorübergehend im benachbarten Dorf Arni ein altes, leerstehendes Bauernhaus beziehen konnte. Dann folgten viele emotionale Diskussionen über die Zukunft. «Sehr rasch war uns klar, dass wir wieder unseren eigenen Hof haben mussten, um zu arbeiten und zu leben», erzählt Johanna Kunz. «Wir dachten nie ans Aufgeben», beteuert die 63-Jährige.

Zeitgemässer und behindertengerechter Wiederaufbau

Trotz der Leistungen der Versicherung brauchte es zusätzliche Mittel, um einen zeitgemässen und gleichzeitig auch behindertengerechten Hof bauen zu können. Da Adrian an der «Spina bifida»-Krankheit leidet, nur an Krücken gehen kann und in Zukunft wohl auf einen Rollstuhl angewiesen ist, musste dies beim Wiederaufbau eingeplant werden. Erst als die Schweizer Berghilfe ihre Unterstützung zusprach, war das Bauprojekt gesichert. «Ich weiss nicht, was wir sonst gemacht hätten», sagt Johanna und ergänzt: «Das Spendengeld hat uns über den Berg geholfen!» Nach einer Rekordbauzeit von nur sieben Monaten konnte die Familie am 17. Dezember 2009 in ihren neuen Hof einziehen, der ähnlich aussieht wie das abgebrannte Bauernhaus aus dem Jahr 1750. «Endlich wieder zu Hause zu sein, war ein schönes Gefühl», erzählt Vater Kurt Kunz. Bereits werden Zukunftspläne geschmiedet. «In etwa zwei Jahren wird Niklaus oder der zweitälteste Sohn Hansueli den Betrieb übernehmen», freut sich Kurt. Auch Johanna zeigt sich zuversichtlich: «Wir haben die schwere Zeit überstanden, jetzt geht es wieder aufwärts!»

Erschienen im April 2010

Das Projekt in Kürze

  • Emmenmatt/BE