Zackige Räder für steilste Wiesen

Mit einem Scherz fing es an, seit einem guten Jahr gilt es ernst: Elia De Bartolomei produziert unter anderem gezackte Metallräder für Mähmaschinen. Was simpel aussieht, braucht viel Routine und Wissen.

Blaue Blitze flackern auf, Funken sprühen, es riecht leicht verbrannt. Ein Mann schweisst zügig Metallzacke um Metallzacke an ein Rad. Es sind spezielle Räder, die in der Werkstatt der Schlosserei EDB im Tessiner Dorf Dongio entstehen. Sie wirken auf den ersten Blick wie mittelalterliche Waffen. Gedacht sind sie aber für ganz friedliche Zwecke, nämlich für Mähmaschinen, die in steilsten Bergwiesen zum Einsatz kommen. Die Zacken haken sich in die Erde und halten so die Maschine stabil im Hang. Je nach Grösse des Mähers oder der Steilheit des Hanges braucht es andere Räder. Manchmal auch zwei oder drei nebeneinander. «Es gibt viele Durchmesser, mit etlichen Kombinationen», sagt Elia De Bartolomei, Inhaber der Metallbaufirma EDB, «die meisten anderen Firmen stellen nur zwei, drei Versionen her. Wir versuchen, möglichst alle Varianten anzubieten. Denn wir glauben, dass ein Mähwerk nur so am effektivsten arbeiten kann. Manchmal fertigen wir auch Räder nach Mass für spezifische Kundenanforderungen.» Die Konkurrenz sei zwar gross, aber er habe viele zufriedene Kunden. «Die Räder halten lange und lassen sich sehr gut reparieren», sagt er und fügt selbstbewusst an: «Für leichte Maschinen in sehr steilem Gelände sind unsere Räder top.»

Das Projekt in Kürze

  • Schlosserei
  • Werkstatt Erweiterung
  • Dongio/TI

Mit einem Scherz fing es an

Der junge Tessiner hat seine Metallbaufirma vor acht Jahren gegründet. Er startete mit einem Mitarbeiter, heute sind es bereits vier. Hinzu kommt ein Lehrling. Spezialisiert ist die Firma auf Reparatur und Service von Landwirtschafts- und Forstfahrzeugen sowie auf Stahlbau. Dabei verkaufte sie von Anfang an auch Mähmaschinen und dazu die passenden Metallräder. «Die besten kamen damals aus Mels im Kanton St. Gallen», sagt Elia. Der Firmeninhaber, Peter Mullis, hatte jedoch beschlossen, in den Ruhestand zu gehen. Aber es lag ihm besonders am Herzen, dass seine Arbeit und seine Erfahrung nicht verloren gingen. «Also sagte ich ihm ein bisschen im Scherz: Wir machen Metallbau, wir könnten das übernehmen», fährt Elia fort. Peter wurde sofort ernst und nahm den Vorschlag an.

Begegnungen in der ganzen Schweiz

Ein Jahr lang tauschten sich die beiden aus, redeten viel über Qualität und Effizienz, damit auch der Umsatz stimmt. Seit März 2025 hat EDB die Räderproduktion übernommen. Doch Elia hat noch nicht ausgelernt: «Alle zwei, drei Wochen kommt Peter zu uns und bringt mir noch etwas Neues bei.» Doch genau das reizt den 38-Jährigen: «Die eigenen Produkte oder die Sonderanfertigungen sind meine Leidenschaft. Ich liebe es zu tüfteln und Neues zu entwerfen.» Der neue Betriebszweig zahlt sich auch noch ganz anders aus. Für den Vater zweier kleiner Kinder, der fast sein ganzes Leben im engen Bleniotal lebte, bringen diese Räder Bewegung in sein Leben: «Ich bin selbst viel mobiler geworden. Immer wieder reise ich für Beratungen in der ganzen Schweiz herum zu den Firmen, die unsere Räder verkaufen. So habe ich Einblick in mir unbekannte Betriebe, die unserem oft ähnlich sind. Jede Reise ist eine Gelegenheit, etwas Neues zu entdecken und zu lernen. Es ist eine sehr anregende Arbeit.»

edbsagl.ch

Text und Fotos: Alexandra Rozkosny

Erschienen im Mai 2026

Die Unterstützung

Um Eisenräder für Steilhangmäher herstellen zu können, brauchte die Metallbaufirma EDB in Dongio eine zusätzliche Schweissanlage. Mit Unterstützung der Berghilfe konnte die Firma ihre Werkstatt ergänzen.
Die Schweizer Berghilfe leistet finanzielle Unterstützung, wenn das Geld nicht ausreicht, um ein zukunftsweisendes Projekt zu realisieren.