Schon lange trug ich in mir die Vision von einer eigenen, kleinen Schreinerei, wo einige Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten können. Auf einer Wanderung mit einer Freundin war ich auf einmal überzeugt, dass es machbar ist. Ich fasste Mut, startete ein Crowdfunding und schreib ein Gesuch an die Schweizer Berghilfe. Denn die Finanzierung ist bei so einer Art Betrieb zwischen Integration und Privatwirtschaft die grösste Knacknuss. Man fällt durch die üblichen Raster. Im Jahr 2020 startete ich das Projekt. Es lief gut an, doch zwei Mal mussten wir die Schreinerei zügeln, das war enorm kräftezehrend. Dank Unterstützung und einer grossen Portion Glück konnten wir im Mai 2023 hier in Ried bei Frutigen in diese neu eingerichtete Schreinerei einziehen. Im gleichen Gebäude arbeitet mein Bruder in seiner Zimmerei, eine Win-Win-Situation. Er hat für uns die schönen, hellen Räumlichkeiten ausgebaut. Im Team arbeiten wir von Montag bis Donnerstag, am Freitag erledige ich die Büroarbeit. Am Donnerstagnachmittag reinigen wir gemeinsam die ganze Schreinerei. Mir ist wichtig, dass es hier sauber ist – nicht nur wegen des Staubs. Wir wollen auch einen guten Eindruck hinterlassen. Immer mehr Kundinnen und Kunden kommen gerne persönlich vorbei. Die Leute spüren, dass hier etwas Gutes entsteht. Ich glaube, das liegt an unserer offenen und ehrlichen Art, miteinander umzugehen, und daran, dass wir uns gegenseitig wertschätzen.»
Text: Alexandra Rozkosny
Bilder: Yannick Andrea
Erschienen im
März 2026