Zukunft für die Direktvermarktung

Zukunft für die Direktvermarktung

Je kürzer der Weg zum Schlachthof, desto besser – für die Tiere und die Fleischqualität. Deshalb haben die Bauern für den Erhalt des Schlachthauses Gampel gekämpft.

Fleisch direkt vom Bauer aus der Nähe liegt im Trend. Doch die Transportwege sind nur kurz, wenn auch ein Schlachthaus in der Nähe ist. Dasjenige in Gampel im Wallis war von der Schliessung bedroht. Dank Unterstützung der Schweizer Berghilfe kann es jetzt von einer Genossenschaft betrieben werden.

Die Alpsaison ist vorbei, und 200 Schafe mit ihren Lämmern sind auf den Hof von Johann-Baptist Räss in Steg im Wallis zurückgekehrt. Platz für alle hat es nicht auf dem Talbetrieb, und so beginnt mit dem Ende der Alpzeit auch wieder die Zeit der Schlachtungen. Den grössten Teil seines Lammfleischs verkauft Räss einem Grossverteiler, der die Tiere lebend bei ihm abholt. Für den Direktverkauf und etwas Eigenbedarf lässt Räss aber regelmässig auch selbst Tiere schlachten. Heute ist es wieder einmal soweit. Drei Schafe treibt er in den Kastenwagen und fährt mit ihnen die paar Kilometer zum Schlachthaus in Gampel. An Schlachttagen kommen immer zuerst die wilderen und grösseren Tiere an die Reihe. Also ist Räss extra erst am Mittag losgefahren, damit seine Schafe im Schlachthaus nicht lange warten müssen.

Zwei Stunden später sind die Schafe geschlachtet und in Hälften zerlegt. Noch am selben Tag holt ein Metzger aus dem Dorf das Fleisch ab, zerkleinert und portioniert es. Und Bauer Räss kann seinen Kunden feinstes Fleisch aus der Region liefern. «Ich bin sehr froh, dass es das Schlachthaus hier in Gampel gibt. Sonst müsste ich mit den Tieren durch den Lötsch­berg nach Frutigen, und das möchte ich ihnen lieber nicht zumuten.» Doch nicht nur die Tiere profitieren. Die kurzen Wege sorgen auch für effiziente Arbeitsabläufe.

Das Projekt in Kürze

  • Genos­senschaft Schlachthaus Gampel
  • Finanzierung Schlachthaus
  • Gampel/VS

Gerettet dank Eigeninitiative

Doch es sah lange nicht gut aus für das Schlachthaus Gampel. Die Brüder, die es führten, standen kurz vor der Pension, Nachfolger waren keine in Sicht. Ausserdem standen grosse Investitionen an. Die Tage des Schlachthauses schienen gezählt. Doch die Bauern aus der Umgebung wollten das nicht hinnehmen. Sie taten sich zusammen, gründeten die Genos­senschaft Schlachthaus Gampel und übernahmen den Betrieb. «Das Interesse war riesig», erinnert sich Helmut Bitz, Präsident der Genossenschaft. Bereits an der Gründer­versamm­lung zeichneten über 100 Personen einen Genossenschaftsschein und waren damit auch bereit, einen Batzen Geld in ein mehr als unsicheres Projekt zu investieren. Das war 2012. Inzwischen zeigt sich, dass sich dieser Mut ausbezahlt hat. Aus den 100 Genossen­schaftern sind 170 geworden, die Auslastung des Schlachthauses steigt ständig, und auch vier Metz­ger in der Region haben deutlich mehr zu tun. Heute verarbeitet das Schlachthaus Gampel pro Jahr rund 600 Kühe, 900 Schafe und 150 Stück Wild. Vor allem aber haben die Bauern weiterhin eine Möglichkeit, ihr Vieh für den Direktverkauf ganz in der Nähe schlach­ten zu lassen.

Bis zum gut funktionierenden Betrieb hatten die Genossenschafter um Helmut Bitz viel zu tun. Denn das Veterinäramt schaute nach dem Besitzerwechsel genauer hin und verlangte viele Verbesserungen bei der Infrastruktur. Zwar waren die meisten davon Kleinigkeiten, aber gesamthaft ging es doch ins Geld. Und Geld war knapp bei der frisch gegründeten Ge­nossenschaft. Trotz viel Eigenleistung der Genossenschafter, Investitionskrediten der öffent­lichen Hand und einer Erhöhung der Hypothek reichte es nicht. Entwarnung geben konnte Helmut Bitz erst, als die Schweizer Berghilfe zusagte, den noch offenen Betrag zu über­nehmen. Bitz: «Diese Unterstützung hat uns über die ersten, schwierigen Jahre hinweg­geholfen. Jetzt schaffen wir es selbst.»

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im März 2016