«Es geht um unseren guten Ruf»

«Es geht um unseren guten Ruf»

Die Seilbahn hat die Jungenalp vor mehreren Jahrzehnten zum Geheimtipp für Ausflügler gemacht.

Der Blick nach unten ist spektakulär. 200 Meter über dem Bergbach schwebt die kleine Gondel der Jungenbahn oberhalb von St. Niklaus im Walliser Mattertal. Man fühlt sich wie in einem lautlosen Flugzeug. Im Hintergrund sieht man je nach Wetter bis zu 14 Viertausender und bei guter Sicht sogar den Alteschgletscher. Dann kommt der Boden wieder näher, man schwebt über Weiden, den einen oder anderen Stall und eine Gruppe von Ziegen. Ziegen? Irgendwie haben die aber grosse Hörner. Tatsächlich, es sind Steinböcke. Sicher 20 Stück. Gemütlich sind sie am Grasen und würdigen die Gondel mit keinem Blick. «Ja, von denen hat es hier oben wie Sand am Meer», sagt Roger Imboden.

Sanfter Tourismus soll ausgebaut werden

Er muss es wissen, schliesslich verbringt der ehemalige Gemeindepräsident seit seiner Frühpensionierung und dem Rückzug aus der Politik viel Zeit hier oben. «Ja, mir liegt viel an der Jungenalp», sagt er. Deshalb wendet er auch viel Freizeit für dieses spezielle Fleckchen Erde auf. Gemeinsam mit zwei anderen ehemaligen Gemeindepräsidenten hat er ein Projekt für ein kleines Restaurant auf der Jungenalp ausgearbeitet. Der Betreiber des bisherigen Restaurants will aufhören und das Haus anderweitig nutzen. Und ein Jungen ganz ohne Gastwirtschaft, das kann sich in St. Niklaus keiner vorstellen. Zu beliebt ist Jungen als Ausflugsziel. Besonders im Sommer kommen nicht nur Einheimische in den auf 2000 Meter Höhe gelegenen Weiler mit den schönen Brätelstellen und dem kleinen Seeli, sondern auch viele Gäste von Auswärts. Sie helfen, die Seilbahn zu amortisieren, die wiederum für die Alpwirtschaft unverzichtbar ist. «Das eine funktioniert nicht ohne das andere», so Roger. Ebenso fest miteinander verknüpft wie Tourismus und Landwirtschaft sind die Alp Jungen und die Schweizer Berghilfe. Bereits beim Bau der Bahn vor mehreren Jahrzehnten half die Organisation mit, und sofern alle nötigen Bewilligungen für das neue Restaurant erteilt werden, wird die Berghilfe auch dort einen Unterstützungsbeitrag leisten. «Die Jungenalp ist ein gutes Beispiel für den sanften Tourismus. Es ist erfreulich, wenn dort die Entwicklung weitergeht», sagt Eva Brechtbühl, ehrenamtliche Expertin für Tourismusprojekte.

Wenn alles nach Plan läuft, wollen die Initianten das Restaurant bereits im nächsten Sommer in Betrieb nehmen können. Die ehemaligen Gemeindepräsidenten haben seriös gearbeitet. Auch bei der Finanzierung und der Erstellung des Businessplans. Für Roger ist deshalb unbestritten, dass das Restaurant schwarze Zahlen schreiben wir, wenn es einmal eröffnet ist. «Da hängt unser aller guter Ruf mit drin. Wir können und wollen es uns nicht leisten, dass das Projekt ein Flop wird.»

Text: Max Hugelshofer
Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im August 2015

Das Projekt in Kürze

  • Genossenschaft Jungenalp
  • Sanierungsarbeiten auf der Alp
  • Jungenalp/VS