Montags wird ausgepackt

Von der glutenfreien Pasta über ungewohnte Sorten von Süssgetränken bis hin zum Frischfleisch vom Dorfmetzger: Hier findet wohl fast jeder Kunde und jede Kundin das Gesuchte. Denn im Dorfladen in Buttes reichte es, wenn drei Menschen ein Produkt wünschen. Und schon wird es ins Sortiment aufgenommen.

Das Geräusch von abreissendem Klebband, ein Rumpeln: Hinten im Lagerraum hat Pierrette Kaenel eine Kiste mit einer Ladung Waschmittel ausgepackt. Vorne, im Geschäft, überprüft Geschäftsführerin Sandrine Jeanneret, ob es noch genug Joghurts und andere Milchprodukte gibt. Ein normaler Montagmorgen im Dorfladen «Le Foyer» in Buttes. Wobei: Montag ist immer ein bisschen wie Weihnachten. «Am Montag kommen immer die neuen Waren an. Darunter sind unsere üblichen Bestellungen, aber auch etliche Neuheiten», sagt Sandrine Jeanneret. «Wir besprechen immer wieder, was wir den Leuten Neues oder auch Spezielles anbieten können. Einmal habe ich gefrorene Knoblauchbaguettes ins Sortiment genommen – mit einem etwas mulmigen Gefühl, denn der Preis war etwas hoch. Aber alles kam weg.»

Das Projekt in Kürze

  • Dorfladen
  • Einrichtung eines grösseren Lokals
  • Buttes/NE

Enorme Vielfalt auf kleinstem Raum

Von der glutenfreien Pasta über unterschiedlichste Sorten Süssgetränke bis hin zu Käsespezialitäten oder Frischfleisch aus der Region findet wohl fast jeder Kunde und jede Kundin das Gewünschte. Denn im Dorfladen in Buttes reichte es, wenn drei Menschen ein Produkt wünschen. Die Ladenchefin richtet ihr Sortiment wenn immer möglich nach den Bedürfnissen der Kundschaft aus. «Wir haben drei Kunden, die frisch gemolkene Milch mögen. Die lassen wir extra abfüllen und stellen sie bereit. Insgesamt schätzen wir, dass wir an die 1000 verschiedene Produkte hier drin haben», sagt Sandrine Jeanneret. Das zahlt sich aus: Nach Jahren der Krise schreibt der Laden endlich schwarze Zahlen. «Die Kundinnen und Kunden ziehen mit», sagt die Ladenchefin, «sie bestellen Produkte, ich organisiere diese und die Leute kaufen sie dann auch bei uns. Wir können das machen, weil wir keiner Kette angehören. Wir haben keine Pflicht, bestimmte Produkte im Sortiment zu halten oder welche auszuschliessen.»

Wechselvolle Geschichte

Die Bewohnerinnen und Bewohner von Buttes setzen sich schon lange für ihren Dorfladen ein: Über 100 Jahre gibt es die Ladengenossenschaft. 1918 gegründet, lief das Geschäft lange sehr gut. Doch als in den 1960er-Jahren die grossen Supermärkte aufkamen, sanken die Umsätze rapide. Die Genossenschaft war nahe daran, den Laden zu schliessen. Das war ein erster Weckruf: Die Bevölkerung stellte sich in den 1970er-Jahren hinter den Laden und half mit, ihn zu vor dem Untergang zu bewahren. Doch 50 Jahre später war die Luft erneut fast draussen. «Unser jetziger Vizepräsident hat mich damals kontaktiert, um mir die Situation des Ladens zu erklären», sagt die junge Genossenschaftspräsidentin Lisa Hernández, «die Mitglieder des Komitees wollten den Verein eigentlich auflösen. Er war damit nicht einverstanden, weil wir einen Laden im Dorf brauchen, besonders für die älteren Menschen, für alle Leute, die hier leben.»

Es entstand ein neuer Vorstand, aus Jungen und Ehemaligen. «Ich liess mich überreden, das Präsidium zu übernehmen. Wir haben dann an einem Wochenende den ganzen Laden umgeräumt, damit er besser den Kundenbedürfnissen entspricht.» Doch die Anlagen waren alt, eine komplette Renovation drängte sich auf. Seit Oktober 2023 ist der Laden in einer neuen Lokalität. «Jetzt ist toll hier. Viel luftiger, aufgeräumter, und die geschlossenen Kühlvitrinen sparen Energie», freut sich Lisa Hernández, «ausgezahlt hat sich sehr, dass wir eine externe Fachperson beigezogen haben. Sie hat uns geholfen, alles so anzuordnen, dass man beim Einkaufen eine angenehme Reihenfolge hat, dass man aneinander vorbeikommt.»

Die Unterstützung

Der Laden zog in eine grössere Lokalität. Zugleich brauchte er dringend neue Kühlgeräte und eine neue Ladeneinrichtung. Die Schweizer Berghilfe unterstützte die Genossenschaft beim Neustart.

Kleine Extras bewirken Grosses

Doch der Dorfladen ist weit mehr als ein Einkaufsort. Fast täglich besucht ein älterer Herr die Kaffeecke, einfach um unter Menschen zu sein. Weil der Laden nahe liegt, kommen auch die ältesten Bewohner und Bewohnerinnen von Buttes zum Einkauf – einen gemütlichen Schwatz inklusive. «Wir haben eine 95-jährige Bewohnerin. Jeden Tag geht sie noch raus. Und einmal in der Woche kommt sie einkaufen», sagt Sandrine Jeanneret. «Und wenn jemand krank ist, können wir eine Hauslieferung organisieren». Der soziale Kontakt bereichert nicht nur die Kunden, sondern auch die drei Verkäuferinnen. «Es ist einfach schön, etwas Zeit für einen Schwatz zu haben und diese Verbindung zu den Menschen pflegen zu dürfen.»

Text und Bilder: Alexandra Rozkosny

Erschienen im September 2026

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